Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?

Kaffee to-go Becher – ein Trend, welcher sicherlich aus Amerika zu uns geschwappt und mindestens ein Jahrzehnt das non-plus ultra vieler Menschen ist/wahr. Heute ist bekannt, dass To-Go Becher immens zur Umweltverschmutzung beitragen. Seit einigen Jahren gibt es Bambusbecher fast überall zu kaufen. Doch so nachhaltig und gesund sind sie leider nicht.

Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?

2000er Trend - coffee to go becher

Ich war sicherlich auch die Meisterin im Verbrauch von Coffee To-Go Bechern. Ich trinke für mein Leben gern Kaffee und das auch unterwegs. In der Schulzeit, oder wenn ich in der Freizeit unterwegs war, habe ich mir sehr oft einen Cappuccino gekauft. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob ich jetzt unnötigen Müll produziere oder nicht.

In Deutschland werden pro Stunde 320 000 To-Go Becher verbraucht, das ist absoluter Wahnsinn. 43 500 Bäume werden benötigt, um diese Pappbecher herzustellen. 1,5 Milliarden Liter Wasser werden bei der Herstellung eines einzigen Einwegbechers benötigt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 32.000 Menschen. Ebenso werden 22 000 l Rohöl verbraucht, um die Beschichtung und den Deckel herzustellen. Im Gesamten fallen 44 000 Tonnen Müll an.

Die Deutsche Umwelthilfe hat das Projekt „Becherheld*in – Mehrweg-to-go“ im September 2015 gestartet, um den Verbrauch umweltschädlicher Coffee-to-go-Becher zu verringern. Das Projekt formuliert im Austausch mit allen betroffenen Akteuren Handlungsempfehlungen für die Politik, den Handel sowie für Verbraucher*innen. Gleichzeitig sollen Wissen und Bewusstsein über Nutzung und Umweltauswirkungen von Einwegbechern durch eine breit angelegte öffentliche Diskussion gesteigert und mögliche Alternativen aufgezeigt werden. Mit dem Projekt „Becherheld*in – Mehrweg-to-go“ sollen auch Kaffeehäuser dazu angeregt werden, mitgebrachte Mehrwegbecher zu befüllen und sich an Pfandsystemen zu beteiligen.

Quelle: https://www.duh.de/?id=5145

Nachwachsende Rohstoff Bambus

Seit einigen Jahren gibt es fast überall bunte Bambusbecher zu kaufen. Die Hersteller*innen versprechen biologisch abbaubare, recycelte Becher, welche umweltfreundlich sind. Ich habe selber einen Bambusbecher und war eigentlich immer super zufrieden damit.

Tatsächlich ist Bambus ein sehr schnell wachsender Rohstoff. Es handelt sich um ein Gras und welches je nach Art bis zu einem Meter pro Tag wächst. Hauptimportland für Deutschland ist China. Es wird massenhaft Bambus verarbeitet, weil der Bestand nicht gefährdet werden kann. Bambus wird kaum Düngemittel, Pestizide oder künstliche Bewässerungsmethoden ausgesetzt. Es ist sehr flexibel einsetzbar und deswegen so beliebt. Allen voran dem Trend von Nachhaltigkeit und Umweltdenken.

In China sind die Umwelt – und Sozialstandards nicht gerade positiv. Die Problematik dabei ist, dass Bambus noch nicht in den großen Industriestaaten angebaut wird. Da das Produzieren mit Bambus noch relativ neu ist, gibt es noch keine Zertifizierungen für z. B. umweltfreundlichen Anbau, sodass eben fragwürdig ist, ob in diesem Schritt allein ein Bambusbecher überhaupt je nachhaltig sein kann.

Dennoch ist Bambus besser als Plastik, da Plastik aus Erdöl hergestellt wird.

Bambusbecher können gesundheitsschädlich sein

Bambusbecher bestehen nicht, wie der Name sagt hauptsächlich aus Bambus, sondern nur aus zermahlenen Bambusfasern. In allen Bechern findet sich Melaminharz – ein Kunststoff. Dadurch sind die Becher nicht mehr biologisch abbaubar. Melaminharz besteht vor allem aus Formaldehyd – dieses wir ab 70 Grad freigesetzt. Heißgetränke erreichen diese Temperatur schnell.

Auf vielen Bechern gibt Hinweise, dass die Becher natürlich, biologisch abbaubar sind oder in die Spülmaschine oder Mikrowelle können. Allerdings bestehen alle Becher aus Kunststoffen, weil Bambus alleine keinen Becher ergibt. Auch Spülmaschine und Mikrowelle sind aufgrund der Temperaturen einfach nicht dafür geeignet.

Die WHO setzt Grenzwerte für den Einsatz von Formaldehyd in Produkten (100 µg/m3), doch werden vor allem bei „No-Name“ Anbieter*innen die Werte überschritten. Ikea oder Depot haben beispielsweise ihre Produkte aufgrund von überschrittenen Werten zurückgerufen.

Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?

Alternative Mehrweg Becher

Umweltfreundlich erst ab 25x Benutzen

Mehrwegsysteme wie den Re-Cup: nachhaltig in Deutschland produziert und Spülmaschinen geeignet. Gegen 1 € Pfand kann der Becher immer wieder benutzt werden.

Edelstahl ist robust und langlebig 

Polypropylen ist relativ umweltfreundlich, da es keine Schadstoffe freisetzt – ist aber Plastik

Glas Becher sind von Klimabilanz etwas schlechter, weil der Transport von Glas schwerer ist, aufgrund des Gewichtes.

Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?
Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?

Ich war lange davon überzeugt, dass mein Bambusbecher eine super grüne Alternative ist. Jetzt steht meiner im Schrank und ich habe einen Becher aus Glas, mit einem Deckel aus Polypropylen. Wenn man es klimatechnisch betrachtet, dann sind Recups einfach die bessere Wahl. Im Jahr 2021 sind wir an einem Punkt angekommen, in dem das Teilen von Produkten etabliert sein sollte. Warum muss jeder einen eigenen Becher besitzen, wenn man eben durch Pfand immer sich einen Becher nehmen kann, aber keinen besitzt. Sicherlich muss dafür aber in genügend Restaurants, Cafés und Bäcker dieses System angewendet werden. Definitiv sind Großstädte im Vorteil. Allerdings wird ab 2023 der Einsatz von Mehrwegsystemen Pflicht. 

Quellen
  • https://www.test.de/Bambusbecher-im-Test-Die-meisten-setzen-hohe-Mengen-an-Schadstoffen-frei-5496265-0/https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/coffee-to-go–so-sehr-leidet-die-umwelt-unter-den-einwegbechern-6440640.html
  • https://www.chip.de/artikel/Stiftung-Warentest-warnt-Kaffeebecher-aus-Bambus-koennen-Gesundheit-gefaehrden_170038328.html
  • https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/nachhaltige-alternativen-wie-gut-sind-bambusbecher-wirklich-16298364.html
  • https://www.resorti.de/blog/nachhaltigkeit-bambusbecher/
  • https://www.chip.de/artikel/Stiftung-Warentest-warnt-Kaffeebecher-aus-Bambus-koennen-Gesundheit-gefaehrden_170038328.html

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2 thoughts on “Wie nachhaltig sind eigentlich Bambusbecher?”

  • Ich habe zu diesem Bambus-Hype meinen Mann nach seiner Meinung gefragt, denn er ist schließlich Holzingenieur. Tatsache ist – wie du schon sagst – dass die Verwendeten Melaninharze überhaupt keine Alternative zu anderen Kunststoffprodukten darstellen. Ganz im Gegenteil. Ein normaler Plastikbecher oder Plastikzahnbürste kann besser entsorgt werden.
    Bambus ist wirklich kein Allheilmittel, wenn man sich mit Zero Waste beschäftigt. Allerdings können diese Becher mehrfach verwendet werden. Das ist natürlich gut.
    Besser sind aber ToGo-Becher aus Edelstahl oder Glas, die halten auch länger.
    Aber bei uns ist es leider so, dass im Moment in der Corona-Krise keine mitgebrachten ToGo-Becher angenommen werden. „Sowas darf nicht über die Ladentheke“ heißt es dann. Ist das bei euch auch so?
    LG
    Sabiene

    • Ja klar, wenn man Bambusbecher lange benutzt sind sie nachhaltiger als die Togo Becher, aber da Kaffee oder Tee schnell die 70 Grad erreichen, wird Formaldehyd freigesetzt. Gerade da es so viele Anbieter auch im Billig-Segment gibt ist es fraglich, wie viele Giftstoffe dann darin enthalten ist. Und wie Du schon sagst, handelt es sich um Verbundmaterialien, welche nur verbrannt werden können.

      Ja, dass war lange der Fall, dass aus hygienischen Gründen keine Becher angenommen werden. Allerdings wird über ein Becher kein Virus übertragen und ich fasse auf der Arbeit bei mir auch Geld an. Danach einfach die Hand desinfizieren und ich denke, dass passt dann.

      Liebe Grüße

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