Wie nachhaltig ist Tchibo?

Tchibo gehört seit meiner Kindheit zu meinem Alltag dazu und ich kenne bei meinen Freunden:innen niemand, der/die kein Produkt von Tchibo Zuhause hat. Vermehrt bietet Tchibo Produkte mit dem Hinweis „nachhaltig“ an. Wie nachhaltig ist Tchibo aber, wenn jede Woche eine neue Produktwelt auf den Markt kommt?

Als Kind gab es die Herbst-Regenkleidung von Tchibo für mich, oder neue Tassen und Becher zu Ostern. Ich kenne keine Jahreszeit, in welcher Tchibo nicht bei uns Zuhause Einzug erhalten hätte. Meine Eltern und die meiner Freundinnen habe bei Tchibo gekauft und wir haben das so übernommen. Man könnte sagen, dass das Tradition ist. Im Marketing spricht man von Kundenbindung durch die Familie. Wer als Kind mit einer Marke aufwächst, die in der Familie häufig konsumiert wurde, verknüpft tendenziell positive Assoziationen damit und trägt diese weiter. 

Für den gesamten Haushalt inkl. Shopping und Angebote für Weihnachtsgeschenke oder jegliche saisonalen Besonderheiten, bietet Tchibo für jede:n Produkte an und erreicht somit, dass Kunden:innen vollumfänglich bei Tchibo einkaufen könnten. 

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Die Tchibo GmbH hat ihren Sitz in Hamburg und wurde von Max Herz und Carl Tchilling-Hiryan im Jahr 1949 gegründet. Zu Beginn sollten Kaffeebohnen per Post verschickt werden. Das Sortiment auf Gebrauchsartikel zu erweitern entstand daraus, dass die Zugabe von z.B. Kochbüchern oder Kaffeedosen zum Kaffee bis 2001 laut der Zugabeverordngung gesetzlich verboten war. Tchibo verkaufte diese Produkte dann einfach. 

Ich bin früher immer durcheinander gekommen, welche Marken jetzt wie zusammengehören. Tchibo hatte mal die Eigenmarke TCM, welche aber nicht mehr existiert. Jedoch finden sich auf den Produkten weiterhin der Hinweis zu TCM. Eduscho wird heute bei Tchibo als Marke für den Kaffee Gala vertrieben. In Österreich hingegen gibt es die Marken Tchibo und Eduscho. 

Eduscho war einmal der größter Kaffeebohnenproduzent in Deutschland. 1997 übernahm Tchibo diesen. 

Tchibo vertreibt neben den 550 eigenen Stores, vor allem auch 19 000 Displays in Supermärkten. 

Quelle: Tchibo *
wie nachhaltig ist Tchibo?
Quelle: Tchibo *
Wie nachhaltig ist Tchibo
Wie nachhaltig ist Tchibo

jede Woche eine neue Welt

Tchibo bietet jede Woche eine neue Themenwelt an, welche ein vollumfängliches Sortiment anbietet. Jede Woche aufs neue Produkte zu produzieren und zu konsumieren ist alles andere als nachhaltig. 

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Produkte Tchibo tatsächlich produziert. Die Produkte an sich, belaufen sich im Jahr aber auf gut 2000 Stück.

 

Kaffee

Zu Tchibo gehören 400 000 Farmer:innen, welche Kaffeebohnen anbauen. Kaffee gilt als eine der wertvollsten Ressourcen der Welt. Der Kaffeepreis ist massiv auf 1,77€, im Gegensatz zu ca. 1,10€ im Januar angestiegen. (Quelle

35 000 dieser Farmer:innen erhalten Unterstützung beim Anbau von fairen und nachhaltigen Kaffee. Nur rund 22% sind zertifiziert nach Rainforest Alliance, UTZ, Bio-Siegel oder Fairtrade.

Daneben verkauft Tchibo ebenfalls Kaffee-Kapseln, die laut dem Unternehmen recycelbar sind. Jedoch muss dafür vom Verbraucher:in die Kapseln auch ordnungsgemäß entsorgt werden. Dann ist aber immer noch nicht klar, ob die Kapseln wirklich recycelt werden, da Maschinen schwarzes Plastik nicht erkennen. 

Insgesamt stammt nur jeder 4. Kaffee aus nachhaltigen Anbau. 

kleidung

Gerade der Anteil an Kleidung bei Tchibo nimmt einen großen Stellenwert ein. Die Produkte stammen zu 86 % aus nachhaltiger Baumwolle. Tchibo ist damit weltweit der drittgrößte Verwender von Bio-Baumwolle. Bis nächstes Jahr soll der Anteil 100% betragen. Biobaumwolle bedeutet aber nicht, dass diese auch fair weiter verarbeitet wird. 

Wichtig bei der Produktion und der Vision Fair Fashion anzubieten, dass transparent dargelegt wird, wie wo was hergestellt wird. Jährlich werden mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke hergestellt, welche wir aber kaum tragen. Deshalb wurde Tchibo Share ins Leben gerufen, sodass Kleidung gemietet werden konnte. Gerade z.B. spezielle Ausrüstung, wird nur selten benötigt. Dieses Angebot wurde aber von den Kunden:innen kaum in Anspruch genommen, sodass es Ende 2020 wieder eingestellt wurde. 

Tchibo setzt keinen Echtpelz, kein Angora und keine Mulesing Wolle ein. Auch wird seit 2014 auf mit Chrom gegerbtes Leder verzichtet.

Tchibo probiert immer wieder neue Materialien aus. So wurden fünf Tonnen Fischernetze und 63 Millionen Plastikflaschen wiederverwertet. Auch wird die aus Nylon-Abfällen gefertigte Faser ECONYL® eingesetzt. Jedes Jahr kommen mehr Artikel damit auf den Markt. Es sind kleine, aber innovative Verbesserungen. Ebenfalls wird der österreichische Hersteller Lenzing eingesetzt.

Bis 2025 sollen die Sport-Kollektionen nur noch aus recycelten Polyester hergestellt werden. Aktuell beträgt dieser nur 16%. Allerdings wird das Polyester in China aufwendig recycelt. 

 

Produktionsbedingungen & Verpackungen

Tchibo produziert nicht in Deutschland, sondern im globalen Süden. Das Unternehmen achtet nach eigenen Angaben darauf, dass unter fairen Bedingungen und anerkannten Menschenrechten gearbeitet wird.

Die Standorte und Kaffeeröstereien in Deutschland werden seit 2008 mit 100% erneuerbaren Energien betrieben. Dazu zählen auch die Filialen, bei denen Tchibo selber für den Strom zuständig ist.Es bleibt aber unklar, ob es sich wirklich um reinen Ökostrom handelt. 

Bis 2030 möchte Tchibo den Co2 Ausstoß halbieren. Ich finde den Ansatz gut, da sonst Unternehmen aber auch Parteien davon sprechen, komplett Co2 positiv zu werden. Jedoch mit einen realistischen Ansatz  zu arbeiten, ist glaubwürdiger. In wie weit aber Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen eingehalten werden ist fraglich. Es gibt immer wieder Medienberichte darüber, dass Fabriken, in denen Tchibo produzieren lässt, negativ auffallen und die Menschen dort nicht ethisch arbeiten können. Jedoch finden sich keine eindeutigen Belege dafür.

 

Seit 2019 gibt es keine Plastikbeutel mehr für Textilprodukte. Dadurch werden 30 Millionen Plastikbeutel eingespart. Jedoch klappt das nicht bei zerbrechlichen Produkten. Aber auch hier testet Tchibo Versand Mehrwegtaschen, jedoch müssten Kunden:innen diese wieder zurückschicken. Auf der einen Seite möchten Kunden:innen eine einfache und problemlose Abwicklung im Kaufprozess. Das eigenständige zurücksenden dieser bedeutet aktiv zu werden. Wer sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, wird dies sicherlich auch annehmen. Die Mehrheit der Kunden wird aber keine Lust haben für Tchibo etwas zu „arbeiten „.

Siegel

Tchibo ist Weltmeister darin so gut wie jedes Siegel zu nutzen, welche es in Deutschland für Zertifizierungen gibt. Zum einen haben alle Siegel unterschiedliche Schwerpunkte, als auch das kaum Verbraucher:innen genau wissen, für was welches Siegel steht. Zumal wenn es dann noch zig verschiedene für eine Marke gibt. 

Bio Siegel

>> das deutsche Bio Siegel garantiert, dass alle Produkte aus ökologischen Landbau stammen. Jedoch sind die Vorgaben etwas lascher als bspw. bei Fairtrade. 

Cotton Made in Africa

>> Das Siegel steht für einen internationalen anerkannten Standard für nachhaltige Baumwolle aus Afrika. Seit 2005 wird für den Schutz der Umwelt, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Kleinbauern und für die Arbeiter in den Entkörnungsbetrieben gesorgt.

GOTS

>> GOTS steht für Global Organic Textile Standard und ist ein weltweit angewendeter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Es definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette sowie Sozialkriterien. Damit ist es eines der wichtigsten Siegel. 

Grüner Knopf

>> Der grüne Knopf wurde von der Bundesregierung ins Leben gerufen und beinhaltet 46 Sozial -und Umweltkriterien. Das Siegel umfasst die gesamte Wertschöpfungskette und schützt alle Menschen und die Umwelt. 

Fairtrade

>> mit dem Fairtrade Code auf den Kaffee-Verpackungen lässt sich die Wertschöpfungskette zurückverfolgen, sodass Verbraucher:innen sehen können, woher der Kaffee stammt. Das Siegel steht für die Einhaltung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien, vor allem bei Kleinbauern:innen. Z.b.: Verbot von Kinderarbeit und Zahlung eines Mindestpreises. 

FSC

>> das FSC Siegel garantiert eine Waldbewirtschaftung die die heutigen Generationen befriedigt, ohne die Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu gefährden. Sodass immer nur so viel abgeholzt wird, wie auch nachwachsen kann, dem Grundgedanken der Nachhaltigkeit. 

Rainforest Alliance

>> Das Siegel setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes ein und unterstützt ebenfalls soziale und ökologische Aspekte. Das Siegel regt dazu an, umweltbewusst und verantwortlich zu Wirtschaften. 

UTZ

>> Das Siegel zertifiziert vor allem Tee, Kaffee und Kakao und arbeitet mit Schwerpunkt darauf, Bäuern:innen zu schulen und dabei zu helfen, mehr Ertrag zu erwirtschaften. Mit Hinblick auf Arbeitsbedingungen und Umweltschutz.

WE Programm

>> Das WE. Programm ist ein eigenes Programm von Tchibo, um die Sozialstandards, Rechte und Normen die wir in Deutschland als selbstverständlich erachten in den Ländern im globalen Süden aufzubauen und den Menschen dort zu helfen, unter besseren Arbeitsbedingungen arbeiten zu können. 

Menschenrechte

Bei Tchibo arbeiten rund 80 % Frauen. Jedoch wird weder im CSR Bericht noch auf der Website klar, in wie weit sich Tchibo für Diversität und Inklusive einsetzt. 

 

wie nachhaltig ist Tchibo?
Quelle: Tchibo *
Wie nachhaltig ist Tchibo

Tchibo setzt sich zur Bekämpfung von Armut für das Lieferkettengesetz ein, sodass alle Unternehmen zur Zahlung fairer Löhne und zur Einhaltung von Umweltvorgaben verpflichtet werden – demnach sollte Tchibo aber auch mit guten Beispiel voran gehen.

Das Unternehmen grenzt sich klar vor Greenwashing ab und sagt ehrlich, dass noch nicht alles nachhaltig ist, sie aber daran arbeiten. Aber alleine die Materialien nachhaltiger zu gestalten ist nicht alles und eindeutig zu wenig Engagement. 

Tchibo hat eine lange Markentradition und Kunden:innen vertrauen dem Unternehmen Tchibo. Durch die Jahrzehntelange Unternehmensgeschichte hat das Unternehmen viel Know-how und geht definitiv mit der Zeit. Jedoch werden die Ansätze von Nachhaltigkeit und Umweltschutz dazu genutzt, um weiterhin Massenproduktion zu betreiben. Dabei kommt hinzu, dass es nicht mal um nützliche Produkte geht, sondern um Produkte, wie wie z.B. einen Bananenschneider, welche einfach niemand benötigt. Aber genau diese Produkte machen mit unter den Erfolg von Tchibo aus und dafür sind die Themenwelten auch bekannt. 

Jedoch sehe ich die nachhaltigen Produkte von Tchibo einen guten Ansatz aber sehr kritisch. Es muss sich in der Unternehmensphilosophie etwas ändern. Keine wöchentlichen Themenwelten mehr, keine unnötigen Produkte mehr und noch mehr Verantwortung für die Lieferanten:innen. 

Ein Pyjama aus Bio-Baumwolle kostet bei Tchibo 17,99€ – von Fair Fashion kann nicht die Rede sein, denn der Preis kann nicht für eine faire Produktion stehen. Jede:r muss für sich entscheiden, welche Aspekte bei dem Kauf von Kleidung am wichtigsten sind. Preis, Material oder Herstellung. Es ist ein Anfang, dass zertifizierte Baumwolle verwendet wird, aber es kann viel besser sein. Der Preis ist sehr günstig. Zum einen wegen der Massenproduktion im globalen Süden aber auch genau deswegen. Tchibo produziert nicht in Europa und zahlt Näher:innen keinen gerechten Lohn, deswegen können die Produkte so preiswert verkauft werden. Auf der anderen Seite erhalten die Produkte einen gewissen Grad an Nachhaltigkeit, welche durch die enorme Masse an Produkten den Preis drücken. 

Ich denke aber, dass Tchibo auch mit einer der Zeit angepassten Produktkollektion keine Kunden:innen verlieren, sondern eher welche gewinnen würde. Allein, wenn es nur alle zwei Wochen eine neue Themenwelt geben würde, wäre das ein großer Schritt. Denn dadurch, dass es Produkte nur eine Woche im Handel zu kaufen gibt, wird bei den Kunden:innen eine Verknappung der Güter erzeugt, sodass sie dazu verleitet werden Produkte schneller zu kaufen als gewollt, da sie sonst Angst haben, dass es das Produkt nicht mehr gibt. 

Um den Wandel zu einer nachhaltigeren Branche voranzutreiben startet Tchibo und Dibella zusammen mit Fairtrade und der GIZ ein Projekt in Indien. Dabei werden Über 500 Baumwollproduzent*innen der Fairtrade-Kooperative Chetna werden beim nachhaltigeren Baumwollanbau unterstützt.

Dazu zählen: 
– Saatgut
– finanzielle Unterstützung
– Schulungen

Dieses Projekt ist für eine Dauer von drei Jahren angesetzt, da die Böden erstmal von Chemikalien befreit werden müssen aus dem konventionellen Anbau. Durch die Fairtrade Zertifizierung wird ein Mindestpreis für die Biobaumwolle garantiert, sodass die Bauer:innen einen festen Preis erhalten. Nach Beendigung des Projekts erhalten sie eine Bio-Prämie für die Bio-Baumwolle, um davon leben zu können. Ebenfalls erhalten sie Gentechnikfreies Saatgut. 

 

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* https://www.tchibo.com/servlet/content/310260/-/starteseite-deutsch/presse/media-center.html#index=236&topic=any&media=Bildmaterial



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