Wie nachhaltig ist Hunkemöller?

IN KOOPERATION MIT HUNKEMÖLLER // Die Unterwäsche Marke Hunkemöller gibt es seit 1886. In den Anfangsjahren verkaufte das Unternehmen das „Cul de Paris“, welches in der damaligen Zeit den Po von Frauen betonte. Jede Epoche hat seine Trends. Heute ist es Body Positivity, faire und ethische Arbeit -und Produktionsbedingungen und nachhaltige Materialien. Seit 1987 gibt es Hunkemöller in Deutschland. Bei Hunkemöller findest Du Lingerie, Swimwear, Homewear mit Spitze, viel Polyester und dem Fokus auf Konsum. Seit 2019 bringt Hunkemöller einen Nachhaltigkeitsbericht raus. Aber wie nachhaltig ist Hunkemöller wirklich?

Nicht nur was wir oben drüber tragen sollte nachhaltig sein, sondern auch was wir drunter tragen – Schlüpper und BH´s sollten ebenfalls umweltfreundlich sein und auf der Basis von sozialen und ethischen Standards produziert sein. Ich war bis vor 4 Jahren treue Kundin bei Hunkemöller, seit dem habe ich mich eher umorientiert zu kleinen Brands. Jedoch wachsen auch große Marken mit der Zeit und passen sich den Wünschen der Kunden*innen an. Vielen Kunden*innen ist Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig. Dabei definiert natürlich jede*r Nachhaltigkeit anders. Für die einen bedeutet das nachhaltige Materialien wie recycelte Spitze oder Tencel, für die anderen eine relative regionale Produktion und für die anderen einfach nur, dass die Näher*innen fair bezahlt werden. 

Together Tomorrow - Nachhaltigkeitsprogramm von hunkemöller

Die Nachhaltigkeitsstrategie bei Hunkemöller wurde erstmalig für das Jahr 2018 dokumentiert. Die Säulen der Strategie sind Arbeitsplatz, Umwelt und Gemeinschaft. Laut Statista ist Hunkemöller führender Wäschehersteller in Deutschland, dennoch sinkt der Umsatz seit 2018. Von 603 auf 459 Milliarden € Umsatz (Stand 2021).

Die Geschäftsführung ist männlich dominiert – für ein weibliches Unterwäsche Label ist das ein kleiner fader Beigeschmack. Im Jahr 2019 gründete Hunkemöller das „together tomorrow“ Programm. Philip Mountford (CEO Hunkemöller) schreibt im Nachhaltigkeitsbericht 2019 über das Program: Better for Planet. Better for People. Better together.

Gebiete für Verbesserung bei „Together Tomorrow“

1. Diskrimierung

2. Kinderarbeit

3. Zwangsarbeit

4. Vereinigungsfreiheit

5. existenzscherende Löhne

6. sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

7. Rohstoffe

8. Wasserverschmutzung und die Benutzung von Chemikalien, Wasser und Energie

9. Tierschutz

Die erste Nachhaltigkeitsstrategie wurde 2015 eingeführt. 2019 wurde diese mit einer Vision aktualisiert, um langfristig nachhaltige Wertschöpfung zu erzielen und den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN gerecht zu werden. Im Gegensatz zum ersten Nachhaltigkeitsbericht, sind die beiden letzteren mehr auf Inklusion und Diversität ausgelegt.

Hunkemöller produziert auf der ganzen Welt, vor allem aber im globalen Süden – hier ist es sicherlich eine Streitfrage, ob eine europäische Produktion nachhaltiger ist. Hunkemöller ist ein globales Unternehmen und nicht nur auf Europa fokussiert. Global Player bringen Arbeitsplätze in Länder, welche sonst keine florierendere Wirtschaft haben, im gleichen Zug müssen sie sich dieser Verantwortung aber auch bewusst sein und dafür Sorge tragen, dass kein Mensch entlang der Wertschöpfungskette darunter leidet und auch Arbeiter*innen ohne ein Arbeitssystem wie in der westlichen Welt dennoch davon profitieren. Hunkemöller hat sich mit einigen Verbänden zusammengeschlossen wie: BSCI (stellt Compliance Richtlinien für Unternehmen zur Verfügung und unterstützt Unternehmen), oder einem überprüfenden niederländischen Programm für eine nachhaltigere Textilwirtschaft.

Für diesen Artikel habe ich einige Bewertungen in Portalen gelesen, welche durchweg negativ ausfielen. Es wurde vor allem darüber berichtet, wie schlecht die Arbeitsatmosphäre ist: in vielen Stores gibt es keine Toilette, es geht nur um ein bestimmtes Umsatzziel,  Konkurrenzkampf und keine Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung und Mitarbeiter*innen wurden egal ob frei, Urlaub oder krank dennoch angerufen. Viele Bewertungen beschreiben auch, dass bei Hunkemöller keine gelebte Nachhaltigkeit existiert, weil alle Produkte einzeln in Plastik verpackt sind und oftmals die Kartons nicht im Verhältnis zur Produktmenge stehen.
 

Ich habe die Nachhaltigkeitsberichte grob durchgelesen, dabei ist mir aufgefallen, dass viele Beschreibungen einfach kopiert wurden. So finden sich z.B. im Nachhaltigkeitsbericht 2018 der Satz:

 „We do not own the factories that make our products, so it is crucial for us to work in partnerships with our suppliers to improve labour conditions in the supply chain. farming, ginning, spinning and weaving, to sewing and transportation to our distribution centre. „

Und im Nachhaltigkeitsbericht 2020

„We don’t own the factories that make our products, so it’s crucial for us to work in partnerships with our suppliers to improve labour conditions in the supply chain. Our supply chain is complex and entails different stages from farming, ginning (from field to fabric), spinning and weaving to sewing and transportation to our distribution centre.

Im Nachhaltigkeitsbericht 2019 / 20 ist aufgeführt, welche Materialien die größte Menge ausmachen. Mit 2,6 Millionen Tonnen ist das Polyester und Polyamid (Plastik), zum Vergleich sind es nur 430 Tonnen recyceltes Polyester und Polyamid. 

Hunkemöller setzt auf recyceltes Polyester und Nylon, Bio-Baumwolle und Ecovero von Lenzing. Hunkemöller schreibt auf der Website, dass die Herstellung von recyceltem Polyester / Nylon ressourcenschonender ist als die neue Herstellung. Dass stimmt nicht, denn gerade um aus verarbeiteten Produkten wieder neue Rohstoffe zu machen, benötigt es mehr Energie. Es ist nachhaltiger als neues Polyester aus Erdöl zu produzieren, dennoch sollte es kritisch betrachtet werden, wie recycelt das neue Polyester oder Nylon wirklich ist. Die Begrifflichkeit von Bio-Baumwolle ist rechtlich nicht geschützt. Jede*r kann den Begriff Bio Baumwolle neu definieren – Hunkemöller ist Mitglied der Better Cotton Initiative, diese stellt aber nur die schwächsten Vorschriften für den Anbau von Baumwolle. Bis 2022 möchte Hunkemöller zu 100% Bio Baumwolle nutzen, auf der Website finden sich in den Produkten stichprobenartig aber keinerlei Hinweise auf ein baldiges Erreichen diesen Ziels. Im Onlineshop werden „nachhaltige“ Produkte mit einem Symbol rechts oben in der Übersicht angezeigt, so wie die nachhaltige Unterwäsche.

Mit der Kampagne „Power of Positivity“ möchte Hunkemöller mehr Diversität in die Produkte bringen und zeigen, dass jeder Körper schön und einzigartig ist. Auf den entsprechenden ausgezeichneten Produkten im Onlineshop von Hunkemöller sehe ich aber nur Models die der industriellen Norm für Schönheit entsprechen. Auf dem Instagram Account finden sich aber vereinzelt authentische Models mit vermeintlichen Makeln.

wie nachhaltig ist Hunkemöller

Hunkemöller setzt vor allem auf das Geschäftsmodell von massiven Preisnachlässen, dass ist alles andere als nachhaltig. Denn wir sollten nur das kaufen, was wir wirklich benötigen. Vor allem soll nicht der maßlose Konsum angeregt werden. Durch enorm billige Preise wird der Wert von Textilien nicht wertgeschätzt. So viele und häufige Rabattaktionen sind nur möglich, wenn genauso billig produziert ist.

Auch wenn Hunkemöller einiges an Bemühungen anstrebt, nachhaltiger zu agieren, ist noch enormes Potenzial möglich. Denn nur von Compliance Richtlinien zu schreiben ist keine gelebte Nachhaltigkeit, sondern sollte Standard in jedem Unternehmen sein. Weniger neue Produkte, nachhaltig zertifizierte Materialien, weniger Rabatte und mehr Models mit normal proportionierten Körpern wären glaubwürdigere Schritte zu einem nachhaltigeren Unternehmen. 

Dieser Artikel ist in Kooperation mit Hunkemöller entstanden.                                       Die Inhalte sind transparent unabhängig von Hunkemöller.                                            Die Meinung ist wie immer meine eigene. 

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Quelle

https://de.statista.com/themen/4890/unterwaesche/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/986217/umfrage/umsatz-von-hunkemoeller/
https://togethertomorrow.hunkemoller.de/materials/
https://togethertomorrow.hunkemoller.de/sustainability/



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