Was gewinnst Du, wenn Du weniger Fleisch isst

Ich esse gerne Fleisch und an Wurst am liebsten Salami und Leberwurst. Mit einem nachhaltigen Lebensstil werde ich immer wieder damit konfrontiert, dass eine vegane Ernährung quasi zur Basis-Ausstattung dazu gehört und nur der*diejenige nachhaltig leben kann, wenn er*sie keine tierischen Lebensmittel mehr konsumiert. Für mich ist diese Alles oder nichts Einstellung bzw. die Radikalisierung für ein Thema keine Lösung. Jede*r kann für sich entscheiden, wie er*sie Nachhaltigkeit oder Umweltschutz am besten im Alltag umsetzen kann, zu mal es auch Krankheiten oder Allergien gibt, die eine vegane Ernährung evtl nicht zulassen würden.

Ich versuche nachhaltig zu leben, ich versuche auf die Umwelt zu achten. Muss ich vegan leben, um zu rechtfertigen, dass ich auf Nachhaltigkeit achte? In den letzten 3-5 Jahren gewann das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer mehr an Popularität, sodass Du heute schon komisch angeschaut wirst, wer nicht nach diesem Trend lebt. Wie in jeder Zeitepoche gibt es diese, welche wirklich nachhaltig leben und diese, welche auf den Zug mit aufspringen wollen. 

Wer nachhaltig leben möchte kann vieles richtig machen, muss nicht vieles richtig machen und wird dennoch angefeindet, wer es nicht zu 100% durch zieht. Dabei gilt doch, lieber mache ich eine Sache, als gar nichts. Dennoch stellt sich mir die Frage, ob ich unbedingt mich vegan ernähren muss, um überhaupt sagen zu dürfen, das ich nachhaltig handle. 

Ich benutze meine eigene Stoffbeutel, ich benutze ausschließlich meinen eigenen Kaffee-to-go Becher, habe immer meine Wasserflasche dabei, benutze vorwiegend Kosmetik-Produkte ohne Verpackung und wenn aus recyceltem Material, meine Zahnbürste ist aus Pflanzenfasern, ich kaufe hin und wieder nachhaltige Kleidung….aber ist das genug? 

Die vegane Lebensweise verzichtet auf alle tierischen Produkte – Milch, Ei, Fleisch. Wer heute immer noch glaubt, dass es keine wirklichen Alternativen gibt, hat sich nicht genug informiert. Auch für den veganen Essensplan gibt es leckere Mahlzeiten. Ohne weiter auszuschweifen, hier ein paar kurze Fakten zu einer herkömmlichen Ernährung: Die Herstellung von 1l Kuhmilch verbraucht 8,5 volle Badewannen. Die Nutztierhaltung nimmt über 50% des Co2 Ausstoßes ein und die globalen Fischbestände sind so gut wie ausgeschöpft. 

Dazu kommt, dass der übermäßige Verzehr von tierischen Produkten uns über die Zeit krank machen. Fett, Hormone, ungesättigte Fettsäuren. Würden wir nicht in einer Überfluss Gesellschaft leben, wäre das alles nicht so schlimm. Wir habe jeden Tag die Möglichkeit das billigste Fleisch zu kaufen, Milch, Jogurt und Eier von Discounter zu essen. So ein immens hohe Vielzahl an Produkten, kann nicht unter artgerechten Aspekten hergestellt werden. Das heißt, dass wir als Konsumenten für die Problematik einer herkömmlichen Ernährung verantwortlich sind. 

Ich habe für mich selber vegane Alternativen getestet. Zum einen habe ich versucht Kuhmilch durch Mandelmilch oder Hafermilch zu setzen. Mein Fazit ist, dass es mir nicht geschmeckt hat und ich mich mit normaler Milch einfach wohler fühle. Auch habe ich fleischlose Alternativen getestet. Anstatt einer Frikadelle, Linsen-Braltinge und anstatt Wurst, Gemüseaufstriche. Das schmeckt mir. 

Allein, wenn jeder Deutsche seinen Fleisch Konsum überdenken würde und nur noch hochwertiges Fleisch kaufen würde, könnte das enorm helfen. Meiner Meinung nach, muss ich nicht vegan leben, aber ich kann vorwiegend vegetarisch essen und das was mir als Alternative schmeckt ersetzen. Es ist immer das abwägen zur eigenen Lebenssituation. 

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Der Januar steht für die Bwegung des Veganuary – einen Monat lang sollen so viele Menschen wie möglich sich vegan ernähren – für mich kommt eine vegane Ernährung nicht infrage. Ich verstehe die Gründe, warum eine vegane Ernährung für die Gesundheit und für die Umwelt gut ist. Jedoch möchte ich keine Ersatzprodukte konsumieren, also quasi ein Legomodell von verschiedensten natürlichen oder industriell hergestellten Zutaten, um am Ende etwas zu haben, was aussieht wie eine Salami, es aber keine ist. Ich verstehe den Gedanken gut, dass der Geschmack von Fleisch mensch gefällt, aber trotzdem kein Fleisch essen möchte. Für mich ist es aber dennoch nicht gesünder, dann eine Baukasten Salami zu essen. Vor allem werden vegane Ersatzprodukte z.B. veganer Schinken genannt – Schinken kann aber nicht vegan sein, da die Definition von Schinken Fleisch ist.

Ich habe im Januar für mich beschlossen einen Monat zumindest kein Fleisch oder Wurst zu essen – in den ersten zwei Wochen hat das super geklappt, dann jedoch gemerkt, dass ich den Geschmack von Wurst vermisse und habe bewusst Fleisch und Wurst selten konsumiert und mir dennoch gedacht, dass ich doch lieber zu etwas anderen hätte greifen sollen. In diesen vier Wochen habe ich gemerkt, dass es unendlich viele Rezepte für vegetarische oder vegane Gericht gibt und es Fleisch auch nicht benötitgt. Ich möchte nicht komplett auf Fleisch oder Wurst verzichten, aber mein Selbstexperiment hat gezeigt, dass ich mich mit meiner Ernährungswahl fühle. Für die Zukunft möchte ich bewusst Fleisch essen, aber in hochwertiger Bioqualität und mit dem Wissen, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden.

Wer glaubt, durch eine reine vegane Ernährung klimapositiver und nachhaltiger zu leben, der*die irrt sich. Denn es kommt auf die gesamte Betrachtung bei der Ernährung an. Stellen wir uns Person A vor, welche sich zwar vegan ernährt, aber nur Fertigprodukte kauft – Zum Einen ist das nicht gesünder stark industriell gefertigte Produkte zu essen, zum anderen entsteht eine Menge Verpackungsmüll und bei der Produktion entstehen viele schädliche Treibhausgas. Es gibt in der Ernährungsfrage kein schwarz oder weiß denken. Es kommt auf Deine persönlichen Präferenzen an: Gesundheit, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Tierhaltung, etc.

Der Umweltaspekt

 

 

Beim Fleischkonsum kommt es auf die Menge, die Art und die Herkunft an:  Die Produktion eines Kilogramm Rindfleisch aus Argentinien verbraucht z.B. im Schnitt mehr als 15 Kilogramm Treibhausgas-Emissionen. Neben der Produktion kommen Tierhaltung und Futtermittelanbau hinzu. Soja wird mehrheitlich in Südamerika angebaut, welches viel Fläche und Wasser benötigt. Für die immer mehr benötigten Flächen wird  wertvoller Regenwald abgeholzt. Neben der Zerstörung des Naturerbes der Erde und dem Lebensraum von Tieren kommt hinzu, dass Bäume, Böden und  Pflanzen wertvolle Co2 Speicher sind, welche durch die Abholzung wieder freigesetzt werden. Die Erhaltung der Regenwälder ist für unser hiesiges Klima verantwortlich. Wiederkäuer wie Rinder stoßen zusätzlich u.a. Methangas aus – ein Treibhausgas, was sich wesentlich auf das Co2 auswirkt. 

 

Zum Vergleich: Für die Herstellung von einem Kilo Weizen werden rund 1300 Liter Wasser. Ein Kilo Rind benötigt 15.500 Liter. 

 

Überlegt mal : auf der Erde leben knapp acht Milliarden Menschen, denke mal darüber nach, wie viele Städte, Supermärkte und Restaurants es gibt und dann stell dir vor welche Masse an Fleisch benötigt wird, dass in JEDEM Supermarkt eine etliche Palette an Wurstsorten und Fleischsorten angeboten werden. Allein in Deutschland findest Du in jedem Supermarkt mehrere Sorten Salami, Streichwurst oder Frischfleisch egal wo du in Deutschland bist.  Würden wir weiterhin einfach essen, ohne darüber nachzudenken, bräuchten wir alleine wegen der Ernährung eine zweite Erde.  Nach Angaben des Fleischaltlas, welcher vom Bund für Umwelt und Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wird, dient rund die Hälfte der zwölf Hektar Agrarfläche in Deutschland nur der Erzeugung für Viehfutter. 

 

Der Gesundheitsaspekt

In Deutschland essen wir durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Dafür müsen täglich mehr als zwei Millionen Nutztiere getötet werden. Früher gab es in vielen Familien den Sonntagsbraten und mehr nicht. Heute ist es aber so, dass bei jedem Bäcker ein Salami Brötchen liegt und in jeder Kantine Schnitzel unter einer fettigen Panade angeboten werden. Der Fleischkonsum ist unnatürlich in die Höhe geschossen. Viele Menschen lehnen eine Kommunikation bzgl dem Fleischkonsum kategorisch ab. Der Spruch: Auf den Grill kommt nur echtes Fleisch gilt noch immer bei vielen als Meinung gegenüber dem Fleischkosume. Gerade in Discounter findet sich Fleisch zu absoluten Billigpreisen. Wie hat ein Huhn bitte gelegt, dass gerade mal im Verkauf zwei oder drei Euro verkauft wird. Gutes Fleisch ist teuer, aber es sollte es uns Wert und bewusst sein, dass das mal ein Lebewesen war und wir es jetzt tot in den Händen halten.

Empfehlung

Netflix Dokumentation: GameChanger

Nachteile des Fleischkonsums

  1. Bei nicht zertifizierten Fleisch und Billigfleisch werden Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt, weil die Tiere sonst den Haltungsbedingugnen nicht überleben würde.
  2. Fleisch kann Volkskrankheiten wie hoher Blutdruck, hoher Cholesterin und Herz-Kreislauf Erkrankungen wie Diabetes oder Schlaganfälle erhöhen.
  3. Verarbeitetes Fleisch kann als krebserregend eingestuft werden
  4. In Deutschland ist es legal Tiere nicht artgerecht zu halten und sie weiterhin industriell zu züchten, z.B. wurden bei Puten das Sättigungsgefühl weggezüchtet um möglichst schnell die Tiere verkaufen zu können.
  5. Hühner leben gerne auf Wiesen in kleinen Gruppen und haben eine Rangordnung
  6. Masthühner werden nie das Tageslicht sehen und werden in Fabriken wie Gegenstände behandelt.
  7. Abholzung von Regenwald, Verbrauch wertvoller Ressourcen wie Wasser und Fläche
  8. Anstatt das Getreide für Menschen zu nutzen, die im globalen Süden leben, wird Geld, Nahrung und Flächen in die Tierindustrie gepumpt
  9. Durch Werbung wird suggeriert, dass es normal ist das Fleisch eines getöteten Tieres zu essen.
  10. Aussagen wie: Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen ist nicht zeitgemäß. Früher wurden Menschen als Sklaven gehalten und misshandelt, trotzdem würden wir heute nicht sagen, da das schon immer so gemacht wurde ist es weiterhin legitim
  11. wenige Fleisch und Wurst zu essen verlängert das Leben
  12. Gewichtsabnahme durch eine verringerte Aufnahme von gesättigten Fettsäuren
  13. möglicher B12 Mangel – es hält sich hartnäckig, dass wir Fleisch für dessen Aufnahme benötigen, dabei sind Tiere nur ein Mittler, denn Tiere nehmen das B12 auch nur über Pflanzen auf. B12 findet sich auch in Sanddorn, Käse, Eiern, Sauerkraut

Das Gewinnst Du, wenn Du weniger Fleisch isst

  1. Probiere mindestens zwei Tage in der Woche kein Fleisch oder Wurst zu essen
  2. achte auf sehr hochwertige Bio Qualität
  3. probiere Mal Gemüseaufsriche statt Salami aus
  4. teste dich durch vegetarische Rezepte
  5. gibt einem fleischärmeren Leben eine Chance
  6. weniger Fleisch essen ist kein Verlust sondern ein Gewinn für Deine Gesundheit und der Umwelt

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4 thoughts on “Was gewinnst Du, wenn Du weniger Fleisch isst”

  • Hallo und vielen Dank für den Artikel. Das ist auch eine Frage, mit der ich mich öfter konfrontiert sehe. Nachhaltigkeit ist leider in vieler Leute Augen ein Thema, bei dem es nur 0 oder 100 gibt. Schwarz oder weiß. Ganz oder gar nicht. Wenn ich Nachhaltigkeit zuende denke, dann muss ich auch sagen: die meisten veganen Lebensmittel kommen z.B. mit einer unheimlichen Menge Plastikmüll daher. Natürlich ist Massentierhaltung ein Problem. Sowohl für das Klima als auch für die Tiere und für unsere Gesundheit. Da gilt es anzusetzen, anstatt direkt in das nächste Extrem zu rennen.

    Wie auch immer – jeder soll seinen Beitrag leisten. Am nachhaltigsten funktioniert Nachhaltigkeit meiner Meinung nach, wenn sie sich in den Alltag einbauen lässt, anstatt zusätzlichen Stress und Frustration zu schüren. Ansonsten gibt man (unbewusst) schnell wieder auf.

    Ein toller Blog also, der so viele gute Ideen bereit hält. Daumen hoch und weiter so!

    Beste Grüße
    Velik

    • Vielen lieben Dank 🙂 ja, so sehe ich Nachhaltigkeit. Schauen wie Dein Leben und Alltag ist und dass einbauen oder ändern was möglich ist. Es gibt kein 100% nachhaltiges Leben.

      Liebe Grüße

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