solidarische Landwirtschaft & Permakultur

Neben allen Nachhaltigkeit Themen, kommen manchmal die Themen für den Umweltschutz viel zu kurz und vor allem die Frage, woher wir eigentlich unser Obst und Gemüse bekommen. Klar, die Landwirtschaft sorgt täglich für Anbau und Ernte, aber so wirklich damit beschäftigt habe ich mich noch nie. Dieser Blogbeitrag beinhaltet zwei besondere Formen der Landwirtschaft – einmal die solidarische Landwirtschaft und zum Anderen die Permakultur.

Über konventionelle Landwirtschaft

Die Traumkulisse von einem kleinen bäuerlichen Betrieb, mit grünen Wiesen und glücklichen Kühen ist leider die Seltenheit. Die Realität sieht so aus, dass im konventionellen Anbau synthetisch-chemische Pflanzenschutzmittel erlaubt sind, Tiere fast ganzjährig im Stall stehen und keine frische Wiese oder die Sonne sehen. Des Weiteren ist Genverändertes Futter erlaubt und den Tieren Medikamente zuzuführen, die wir auch über das Fleisch aufnehmen.
Die deutsche Landwirtschaft wird größtenteils konventionell betrieben. 

 

Laut dem Umweltbundesamt machen nur 8,7 % im Jahr 2015 Biobetriebe aller deutschen Agrarbetriebe aus. Auf Bio umzusteigen, ist vor allem eine Kostenfrage, denn für den ökologischen Anbau gelten strengere Gesetze und somit meist auch höhere Produktionskosten. Wer ökologisch handelt, hat auch mit mehr Ernteausfällen zu kämpfen und letztendlich geht es auch um die Wirtschaftlichkeit. Auf Artenvielfalt und Umweltfreundlichkeit wird bei der konventionellen Landwirtschaft kaum geachtet, deswegen ist die Ernte höher und auf Masse ausgerichtet. Es muss immer schneller, immer mehr produziert werden, um noch wirtschaftlicher arbeiten zu können.So kommen Düngemittel aus der Industrie, Saatgut von Saatgutfirmen wie Monsanto und Tierprodukte aus der Massentierhaltung.

solidarische Landwirtschaft und Permakultur

Um eine sichere Ernte zu erhalten halten konventionelle Landwirte nur bestimmte Tiere und Pflanzen und führen somit zu Monokulturen und Massentierhaltung. In Deutschland werden laut Umweltbundesamt rund 60 % der landwirtschaftlichen Fläche allein für Futtermittel von Masttieren benötigt. Durch diese Art der Bewirtschaftung verlieren die Böden ihre Fruchtbarkeit, Wasser und Luft werden verschmutzt und der Verbrauch der Energie und Ressourcen steigt. Der Boden erodiert, also Wind und Regen tragen ihn ab. Durch schwere Maschinen und intensive Bearbeitung verdichten sich die Böden und der Boden verschlammt, da kein Wasser mehr aufgenommen werden kann. Außerdem gelangen Gülle, Medikamente und Dünger ins Grundwasser und damit in den gesamten Wasserkreislauf. Das durch den verursachte CO2 und der Methan Ausstoß der Kühe belasten zusätzlich unsere Umwelt.

 

Fast 90 % der Emissionen entstehen durch die Tierzucht. Die riesigen Felder nach dieser Art der Bewirtschaftung, zerstört die Artenvielfalt. Wiesen verschwinden, Moore und natürliche Gebiete werden vernichtet. Ein gesunder, umweltfreundlicher Boden enthält genügend Nährstoffe und Mikroorganismen. So kann das Wasser aufgenommen und gefiltert werden. Um Landflächen lange intensiv nutzen zu können, verzichten konventionelle Landwirte auf Fruchtfolgen, somit wird der Boden immer unfruchtbarer. Damit trotzdem Pflanzen wachsen können, wird chemisch nachgeholfen.

solidarische Landwirtschaft und Permakultur
solidarische Landwirtschaft und Permakultur

Vor allem geht Bio-Anbau nur, wenn wir die tierische Ernährung zurückschrauben, denn auf den Konsum der Verbraucher ist diese Art des Anbaus einfach nicht ausgelegt. 

Solidarische Landwirtschaft

Ganz einfach gesagt, funktioniert solidarische Landwirtschaft so, dass Verbraucher die Landwirtschaft finanziell unterstützen und als Gegenzug regional erzeugte Lebensmittel erhalten. Dabei schließt sich eine Gruppe von Verbrauchern mit einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betrieben zu einer Gemeinschaft zusammen. Damit können Landwirte ohne Verluste wirtschaften.

Woher kommt das Konzept der solidarischen Landwirtschaft?

Das Konzept einer gemeinschaftsgetragenen Lebensmittelversorgung hat seinen Ursprung aus der Bewegung des japanischen Teikei-Systems, welches sich in Japan Mitte der 1970er Jahre entwickelt hat. Davon unabhängig entwickelte sich in den USA ab den 1980er Jahren das Konzept der gemeinschaftsunterstütze Landwirtschaft, dem heute etwa 2.500 Gruppen zugehören.

 
Muss bei einer Solawi immer mitgearbeitet werden?

Es gibt Biogärtnereien die nach dem Solidarprinzip wirtschaften und keinen Wert auf Mitarbeit legen. Andere sind darauf angewiesen, vor allem bei arbeitsintensiven Kulturen.  In der Regel wird der größte Teil der landwirtschaftlichen Arbeit in einer Solawi von den Landwirten bewältigt. Üblich ist die Mithilfe bei  Ernte, Unkraut hacken oder bei der Verteilung der Lebensmittel. Manche Solawis haben verpflichtende Arbeitstage pro Mitglied, andere setzen auch hier erfolgreich auf Freiwilligkeit und Solidarität.

 
Kann man sich über eine Solawi vollversorgen?

Einige Solawis bieten neben Gemüse auch Obst, Fleisch, Brot und Milchprodukte, womit ein Großteil der Lebensmittelpalette abgedeckt ist. In Sachen Obst und Gemüse ist allerdings zu beachten, dass sich das Angebot einer Solawi immer auf das beschränkt, was saisonal und in Abhängigkeit von Boden und Witterung möglich ist. Kommt es aufgrund schlechten Wetters, Schädlingen oder Krankheiten zu Ausfällen, muss eben auch mal verzichtet werden. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, dass Menschen neue Erfahrungen sammeln können: Wer Felder und Pflanzen kennt und auch mal mit Hand anlegt beim Ernten oder Jäten, bekommt ein anderes Gefühl für den Wert der Lebensmittel. Das geht leider in Zeiten von einem Vollsortiment der Supermärkte verloren. Dort liegt alles fertig bereit einfach zum kaufen. Dabei bleiben die Art und Weise der Produktion als auch die Menschen dahinter auf der Strecke. 

 

Die solidarische Landwirtschaft hinterfragt aber, wer eigentlich da unsere Lebensmittel erzeugt. Des Weiteren spielen faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen eine große Rolle. Je nach Böden und Standort variiert die Vielfalt auf dem Acker. Solidarisch landwirtschaftliche Betriebe bauen auch Sorten an, welche nur noch selten in Supermärkten zu finden ist. Daraus ergeben sich weniger  Ernteausfälle. 

Die Finanzierung

Damit die Landwirte sicher planen können, wird die Finanzierung für ein Wirtschaftsjahr abgeschlossen. Die Verbrauchergemeinschaft und die Landwirte tragen gemeinsam die Verantwortung und das Risiko für die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Neben der Kostenteilung, wollen Betriebe, welche nach diesem Modell wirtschaften aber vor allem auch ökologisch handeln. Sie arbeiten daher nach natur- und klimaverträglichen Landbau. Monatliche Kosten für die Verbraucher werden entweder in einer Mitgliederversammlung festgelegt, je nach Sortiment kann der monatliche Beitrag bei 60 – 180 € liegen. Da aber diese Bewirtschaftung der Landwirtschaft eben solidarisch ist, sollen auch Geringverdiener die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen. Dass bedeutet, dass sie einen geringeren Betrag zahlen und der Rest von der Gemeinschaft getragen wird. 

 

Eine Weitere Möglichkeit wäre es, dass jeder dass zahlt was er möchte, wenn daraus monatlich die Kosten gedeckt werden können. Finanziert wird in der Regel immer ein ganzes Wirtschaftsjahr, damit die Landwirte sicher planen können.  Durch die gemeinschaftliche Finanzierung können insbesondere kleinbäuerliche und regionale Landwirtschaftsbetriebe mit einem arbeitsintensiven vielfältigen Angebot erhalten und gefördert werden.  Bei der solidarischen Landwirtschaft werden die Erträge nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern direkt an den Verbrauchern weitergegeben, was natürlich auch Transportwege und Kosten einspart. Menschen erfahren einen erweiterten Bildungshorizont und neue Wege, sich mit Regionalität und Engagement im Alltag auseinander zu setzen. 

Was bringt die Solawi?

Durch eine Mitgliedschaft in eine solidarische Landwirtschaft werden frische, vielfältige, saisonale und regionale Nahrungsmittel wieder in den Alltag integriert. Außerdem weiß jeder, wo die Nahrungsmittel hergestellt werden, welche Kosten aufkommen und wer daran beteiligt ist.  Durch den Beitrag wird regionale Nachhaltigkeit gefördert und lokale Landwirtschaft gestärkt. Meiner Meinung nach, gehen das Wissen über den Anbau und die Herstellung unserer Lebensmittel verloren, umso wichtiger ist der Zugang zu Erfahrungsräumen, rund um Landwirtschaft und Ackerbau.

Vor allem die Landwirte sind vor Veränderungen des Marktes geschützt und können auch die Erträge verkaufen, welche im Markt durch die Systeme fallen würde. Des Weiteren können viel mehr Sorten angebaut werden und auch damit die Vielfalt wieder erhöhen.

 

 

Permakultur

Die Bewirtschaftung nach der Permakultur gibt es bereits seit den 1970er Jahren und handelt von einer Planung -und Entwurfsmethode, nach der Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur. 

Dabei steht das Kreislaufsystem im Mittelpunkt. Bruce Charles Hollis und David Holmgren prägten das Konzept nach der Permakultur. Ein Interview mit Holmgren ist auch im aktuellen Werde Magazin zu lesen. Die Achtsamkeit, Wahrung der Ressourcen und ein mehr Geben als Nehmen kommen hier zum Tragen. 1981 erhielt er für sein Werk den alternativen Nobelpreis. 

Die Entwicklung und Erhaltung multifunktionaler und nachhaltiger Ökosysteme,  ist das große Ziel einer Permakultur. Vorbild sind sich selbst regulierende Ökosysteme wie (Regen-)Wälder, Sumpfgebiete und Auenlandschaften. Bei der Anwendung von Permakultur ist es unabdingbar, sorgsam mit der Erde und ihren Ressourcen umzugehen. Permakultur  strebt vor allem nach einer regionalen und völlig selbst erwirtschaftete Versorgung durch Nahrungsmittel. Dabei sollen vorhandene Ressourcen effizient genutzt, der Energieverbrauch gesenkt und der Verbrauch von Konsumgütern reduziert werden.

 
Für Mollison und Holgren bilden bei der Permakultur drei ethische Prinzipien die Basis jeden Handelns: und zwar Sorge, für die Menschen, die Erde und den Konsum zu tragen. Außerdem geht es um einen respektvollen Umgang mit Rohstoffen, dass bedeutet dem Widerstehen nach allen überflüssigen Konsumgütern, der Reduzierung von Energie, Material und Müll, dem mehrmaligen Gebrauch von Dingen, dem Reparieren von Gegenständen und Dingen auch eine Funktion zuzuweisen (upcycling). 
Im Einklang mit der Natur

In der Permakultur wird Biodiversität, also die Artenvielfalt von Tieren, Pflanzen und anderer Organismen, groß geschrieben. Das macht den Acker widerstandsfähiger – nicht nur gegenüber Wetterveränderungen, sondern auch was Schädlinge und Krankheiten von Pflanzen betrifft. 

Permakultur hat seine Wurzeln in einem tiefen Verständnis von den Beziehungen der Lebewesen untereinander und zu ihrer  Umwelt. Dabei geht es darum, die ökologischen Zusammenhängen und Wandlungen zu erkennen. Dies bildet die Basis für die Permakultur. Angesichts der vielfältigen Krisen in unseren globalen Ökosystemen bringt Permakultur Nachhaltigkeit, Balance und Fairness in den Blickpunkt. 

 

Eine langfristige Selbstregulierung, nachhaltige Optimierung statt kurzfristige Maximierung und die Schaffung von naturnahen Kreisläufen sind die Leitgedanken. Bis heute hat sie sich zu einer ganzheitlichen Denkweise entwickelt, die nicht nur landwirtschaftliche Aspekte umfasst, sondern auch Energieversorgung, intelligente Landschaftsplanung sowie Gestaltung sozialer Infrastrukturen. Kurz gesagt, umfasst die Permakultur den Weitblick auf alle Systeme und Organismen, die wir für unser Leben benötigen und benachteiligt dabei keine Lebensräume. Als Vorbild gelten natürliche Ökosysteme, deren Funktionsweisen auf die eigenen Lebensräume angewendet werden sollen. Mit allen Ressourcen soll ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig gewirtschaftet werden. Die Permakultur-Bewegung spricht sich außerdem gegen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden und für mehr Biodiversität aus. 

Wie funktioniert Permakultur?

Bei der Permakultur ist das Pflanzen, Säen, Pflegen und Ernten ausdrücklich nur in Handarbeit erlaubt. Dass bedeutet, dass auch das Einsetzen von fossilen und fremden Energien nicht gestattet ist. Des Weiteren gibt es keine Monokulturen. Die Beete sind klein und überschaubar. Auf relativ wenig Fläche wächst eine große Vielzahl unterschiedlicher Gemüse- und Obstsorten.

 

 

Es fällt kein Abfall an, denn alles wird wiederverwendet und in die natürlichen Kreisläufe zurückgeführt. Der Boden wird mit ganz natürlichen Nährstoffen genährt und versorgt so die Pflanzen. Durch geeignete Pflanzkulturen und dem richtigen Mulchen werden auf natürliche Weise die Böden vor dem Austrocknen geschützt. Dadurch wird auch eine enorme Menge an Wasser gespart, was wiederum die Ressourcen spart. Zudem wird eine grosse Vielfalt an Pflanzen angebaut die sich gegenseitig nützen und vor Schädlingen schützen. Wobei gerade auch alte und seltene Gemüse- und Obstsorten und vor allem heimische Pflanzen Teil der Permakultur im Garten oder auf dem Feld sind. Das bedeutet Biodiversität

Für die Gesellschaft besser...

Sicherlich ist der Bio Anbau der langfristige richtige und vor allem realistische Weg, für eine umweltfreundlichere Versorgung der Gesellschaft. Wir müssen aber alle unsere Ess-Gewohnheiten ändern, um auch wirklich auf mehrheitlichen Bio-Anbau zu setzen. Denn unser bisheriger Fleischkonsum ist nicht haltbar.


Für kleine Bauern Betriebe, ist die Solawi ein Konzept, welches ihnen Sicherheit gibt und für kleine Dörfer als auch größere Gemeinden, meiner Meinung nach der richtige Weg ist. Vor allem auch für Kinder, welche somit den Umgang und die Herkunft der Lebensmittel lernen. Für den privaten Haushalt und größere private Felder ist die Permakultur sicherlich ein richtiger Weg, aber für die Gesellschaftsversorgung einfach nicht alltagstauglich. 

solidarische Landwirtschaft und Permakultur
solidarische Landwirtschaft und Permakultur
solidarische Landwirtschaft und Permakultur

Larissa

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