Nachhaltigkeitsvergleich – Esprit und H&M

Nachhaltigkeitsvergleich – Esprit und H&M

In diesem Blog Beitrag nehme ich mir mal zwei Giganten der Modebranche vor. Esprit und H&M im Nachhaltigkeitsvergleich. Ich war bis vor 2 Jahren auch H&M Kundin, auch wenn nicht mehr in dem Maße wie vor 5 Jahren. Esprit Kleidung habe ich schon immer gekauft, wenn auch nicht so regelmäßig. Beide Unternehmen haben in den letzten Jahren vieles in Sachen Nachhaltigkeit getan. Jedoch stellt sich für mich die Frage wie sehr wird das umgesetzt? Ist dabei Greenwashing ein Aspekt und wie weit greift Nachhaltigkeit in das gesamte Unternehmen ein?

Nachhaltigkeit ist als Erstes einmal die Umstellung auf nachhaltigere Materialien wie Bio-Baumwolle oder Tencel. Das sagt aber noch nicht viel aus. Zum Beispiel kann in einem Etikett Bio-Baumwolle angegeben werden, allerdings wissen Kunden nichts darüber, wo und wie diese verarbeitet wurde, oder welche Farbstoffe eingesetzt werden. Auch der Einsatz von recycelten Materialien ist nur der Tropfen auf dem heißen Stein.

Viele Kleidungsstücke bestehen aus Polyester, Baumwolle Mischungen oder sind bestickt mit Pailletten. Diese Kleidungsstücke können nicht recycelt werden. Auch ist es fraglich, ob ein Unternehmen nachhaltig agieren kann, wenn zwar, eine grüne Kollektion angeboten wird, auf der anderen Seite aber 80 % weiterhin umweltUNfreundlich produziert wird.

In den nächsten Absätzen gehe ich auf verschiedene Faktoren ein und vergleiche dabei die Nachhaltigkeitsstrategie von Esprit und H&M.           

Nachhaltigkeitsvergleich - Esprit und H&M

Nachhaltige Materialien

Sowohl Esprit als auch H&M bieten eine nachhaltige Kollektion an. H&M vertreibt diese unter dem Namen „Conscious“, Esprit weist nur per Label „I am sustainable“ darauf hin.

Nachhaltige Materialien bei Esprit:

3M TM Thinsulate TM
Bio Baumwolle
Recycelte Baumwolle
Tencel
Lenzing – Eco Vero

Nachhaltige Materialien bei H&M:

Recyceltes Polyester
Recyceltes Polyamid
Recycelte Baumwolle
Lyocell
LivaEco Viskose
Baumwolle aus biologischen Anbau

Was auffällt ist, dass Esprit deutlich mehr nachhaltige Materialien einsetzt als H&M. Bei meiner Recherche ist aufgefallen, dass die Produkte aus der Conscious Reihe hauptsächlich nur teilweise recyceltes Material beinhalten. Es kann sich dabei in keinem Fall um ein nachhaltiges Kleidungsstück handeln. Auch stehen nachhaltige Materialien zwar in der Beschreibung, nicht aber in der Materialliste.Tierische Materialien werden bei Esprit weiterhin verwendet. Allerdings verbieten eigene Richtlinien den Gebrauch von Mohair, Pelz und Angora. Die Wolle ist recycelt. 

Esprit produziert mit ausgewiesenen nachhaltigen Materialien wie Tencel oder Lenzing.

Beide Marken markieren ihre nachhaltigen Kleidungsstücke mit einem entsprechenden Label an der Kleidung.

H&M begründet seine Entscheidung mehrheitlich konventionelle Baumwolle zu nutzen damit, dass es die benötigte Menge, die sie brauchen, noch nicht auf dem Markt gibt. Tatsächlich entspricht der Anteil Bio Baumwolle nur 1 % des gesamten benötigten Menge. Hier wäre es aber mal ein Anfang, nicht 24 Kollektionen pro Jahr auf den Markt zu bringen. H&M wirbt auf seiner Website vor allem mit eigenen Siegeln, Awards oder Aktionen. Kein staatliches Siegel oder Organisation ist erkennbar.

Soziale & ethische Verantwortung

Esprit wandelt sein Markenimage immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz um. Auf der Website finden sich ausführliche Informationen, welche Materialien verwendet, welche sozialen Aspekte beachtet werden und bei welchen Organisationen Esprit Mitglied ist. Esprit weist zu dem auf einem Pflege-Etikett hin, in welchem Land das Kleidungsstück produziert wurde. Geplant ist auch, die Produktionsstätte anzugeben. Wenn man auf ein Produkt von H&M klickt, erfährt man, aus welchen Materialien und in welchen Ländern es hergestellt wurde und mit welchen Lieferanten und Produktionsstätten bei der Herstellung zusammengearbeitet wurde.

Im Esprit Clever Care Service wird daraufhin gewiesen, wie Kleidungsstücke nachhaltiger und langlebiger genutzt werden können. Auf der Website lässt sich nachverfolgen, wo die Kleidung produziert wird. Es gibt eine Liste über die Produzenten, welche sich an die Greenpeace Richtlinien halten.

Esprit setzt sich für Frauen im Namen der UN für nachhaltige Entwicklung ein. H&M hingegen hat kürzlich erst mitgeteilt besonders Frauen zu kündigen, welche in Elternzeit sind oder nur Teilzeit arbeiten können. Esprit setzt sich für eine faire Entlohnung der Näher & Näherinnen sowie Bauern*Bäuerinnen ein. Auf einer weiteren Teilseite widerspricht sich H&M aber, in dem sie sagen, dass ihr Ziel von 100 % Einsatz von Bio-Baumwolle bis 2030 bald erreicht wäre.

H&M arbeitet zum Schutz der Meere mit dem WWF zusammen und ermutigt das Färben von Textilien umweltfreundlicher zu gestalten, in dem es durch den WWF dazu ermutigt, auf Chemikalien zu verzichten, es gibt aber kein Verbot. Das sind zwar Bemühungen aber keine Umsetzung. H&M hat eine nachhaltige Jeans Kollektion auf den Markt gebracht, mit dem Hinweis, dass bei allen Details auf Nachhaltigkeit geachtet wurde. Aber, was definiert denn alle Details?

H&M weist auf die Vielfältigkeit der Menschen hin, welche für H&M arbeiten. Sie sprechen sich gegen Rassismus aus, haben aber vor ein paar Jahren ein Affen Print T-Shirt, mit einem PoC Jungen beworben. Auch der Ausschluss von Müttern bzw. deren Kündigung ist ethisch absolut nicht vertretbar. Jedoch arbeiten rund 70 % Frauen im Unternehmen. Mit der Pride-Kollektion setzt H&M jährlich ein Zeichen gegen Homophobie.

H&M gibt an, dass sie mit einem eigenen Verhaltenskodex die Lieferanten*innen nachhaltig produzieren. Allerdings haben sie im Lockdown im März 2020 bereits fertige Kollektionen nicht abgenommen, sodass die Näher*innen nicht bezahlt werden konnten. Alles in allem widerspricht sich H&M andauernd.

Nachhaltigkeitsvergleich - Esprit und H&M
Nachhaltigkeitsvergleich - Esprit und H&M

Unternehmensphilosophie

Ich sage immer wieder, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen selber anfängt, Esprit agiert hier meiner Meinung nach super. Zum Beispiel bekommen Mitarbeiter*innen einen Bonus, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Esprit ist Mitglied der Fair Labor Association, dessen Ziel es ist, die Arbeitsbedingungen weltweit zu verbessern. 2012 hat Esprit das Greenpeace Detox Commitment unterschrieben, womit sie sich verpflichten, elf gefährliche Chemikalien in der Lieferkette bis letztes Jahr schrittweise einzustellen. Das Ziel ist, bis 2030 100 % nachhaltig zu produzieren.

Esprit bietet in seinen Kantinen vermehrt vegane und vegetarische Produkte an und bezieht möglichst Bio und regionale Lebensmittel. In den Büros wird Müll getrennt und wiederverwendbare Kaffeekapseln benutzt.

Esprit hat ein Pilotprojekt gestartet, bei welchen der Verschnitt der Baumwolle zu neuen Garn recycelt wird. Esprit sammelt Kleidung, allerdings bekommt man keinen Gutschein für einen Anreiz zum Neukauf, sondern die Kleidung wird einfach gesammelt und dann an wohltätige Zwecke gespendet. Wenn ein Produkt nicht mehr getragen werden kann, werden diese Materialien wiederverwendet oder recycelt. Bei H&M können Kleidungsstücke auch zurückgegeben werden. Dafür gibt es einen 15 % Gutschein, was wieder dazu anregt Fast Fashion zu kaufen und es einem quasi vorgibt einen Neuen Kauf zu rechtfertigen. Die Kleidung kann aber nicht richtig recycelt werden, da es sich oft um Verbundmaterialien handelt. H&M bietet in ein paar Stores einen Änderungsservice an und weist darauf hin, dass man Kleidung reparieren sollte. Allerdings kommt es auch auf die Qualität der Kleidung an.

Im Gegensatz zu H&M versendet Esprit seine Pakete mit DHL GoGreen. Eine umweltfreundliche Art der Versendung von Online Bestellungen. Auch gibt Esprit eine Übersicht darüber, dass die Kartons und Verpackungsmaterialien recycelt sind.

H&M möchte bis 2040 Klima-positiv werden, was ich hier gut finde, dass sie nicht das Wort „klimaneutral“ benutzen, denn das ist utopisch. Genauso wie ein nachhaltiges Leben zu führen. Man kann nur nachhaltigER leben.

Bei der Bewertungsplattform Kunnuu sind die Bewertungen für Esprit sehr durchschnittlich. Faire Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter*innen werden nicht genannt. Eher Ausbeutung und Kündigungen aufgrund eines Schutzschirmverfahrens häufen sich. Auch wird wimmer wieder davon gesprochen, dass Esprit zwar für Kunden*innen Nachhaltigkeit großschreibt, aber dennoch viel Verpackungsmüll intern anfällt und Geschäftsreisen nach China Standard sind. Für einen Weg in Richtung Nachhaltigkeit und Fair Fashion gehören vor allem interne Aspekte dazu. Bei Kunnuu für H&M sind die Bewegungen zwar positiver, aber es wird deutlich, dass wohl Datenschutz und Vertrauen nicht wirklich vorhanden sind. Zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit gibt es kaum Meinungen bzw. sind die, die vorhanden sind nicht davon überzeugt, dass es H&M wirklich ernst meint.

Beide Unternehmen sind keine Fair Fashion Unternehmen. Der Trend ist, nachhaltig zu handeln und Konsumenten dadurch zu binden. Jedoch verspricht H&M zwar vieles, setzt aber kaum etwas konsequent um. Einige Werbemaßnahmen und Aktionen des Konzerns machen andere Aspekte unglaubwürdig, auch widerspricht sich H&M wieder. Esprit macht hier sicherlich vieles besser. Die Bewegungen der Mitarbeiter*innen haben gezeigt, dass intern viel passieren muss, damit das Thema Nachhaltigkeit glaubwürdig ist. Ich kaufe zu 80 % nur noch Fair Fashion. Wenn es aber dann doch mal Fast Fashion ist, würde ich Esprit wählen. H&M ist für mich ethisch in keiner Weise vertretbar. Ein Shirt kann einfach keine 5 € kosten, wenn es in allen Schritten der Wertschöpfungskette nachhaltig hergestellt werden soll. Alles, was H&M macht, sind Bemühungen und minimale richtige Schritte, sodass es den Anschein erweckt, dass sie nachhaltig handeln. Jedoch rate ich jedem davon ab, weiterhin bei H&M einzukaufen.

Nachhaltigkeitsvergleich Esprit und H&M

Esprit

  • Kollektion – I am sustainable
  • ganzjährig Nachhaltiges Angebot
  • mehrere ausgewiesene nachhaltige Materialien
  • vollständige Kleidungsstücke aus nachhaltigen Materialien
  • Hinweis, wo das Kleidungsstück produziert ist
  • Engagement für Frauen
  • Mitglied der Fair Labor Association
  • Mitglied des Greenpeace Detox Commitment
  • DHL GoGreen
  • zu viel Verpackungsmüll in den Filialen
  • nicht wirklich faire Arbeitsbedingungen laut Kunnuu

H&M

  • Kollektion – Conscious
  • ganzjährig Nachhaltiges Angebot
  • viele recycelte Materialien
  • Kleidung besteht nur teilweise aus nachhaltigen Materialien
  • teils rassistische Werbung
  • Kündigung von Müttern die in Teilzeit arbeiten 
  • Stornierung der Kollektion während dem Lockdown 
  • 15 % Gutschein bei Abgeben von Kleidung, regt zum Neukauf an
  • Empfehlung für Lieferanten*innen Chemikalien wegzulassen
  • 70% Frauenquote
Quellen
  • https://beige.de/artikel/fair-nachhaltigkeit-esprit-ressourcen-stoffe-materialien
  • https://www.esprit.com/de/company/sustainability/wiederverwendung-und-recycling/recycling
  • https://www.esprit.com/de/company/sustainability/verantwortungsvolle-produktion/sozialverantwortung
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/innovate
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/innovate/cotton
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/change
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/for-all
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/close-the-loop
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/fair
  • https://www2.hm.com/de_de/hm-sustainability/lets-change.html/transparent
  • http://anothercopycat.com/hm/
  • https://www.kununu.com/de/esprit-europe-services-gmbh
  • https://www.kununu.com/de/hm-hennes-mauritz-deutschland/kommentare


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