Frankfurter Buchmesse ist back – Verlage im Sparmodus und Meinungsfreiheit für Rassismus

Bis gestern fand die 73.  Frankfurter Buchmesse statt. Nach einem Jahr Zwangspause durch die Corona Pandemie konnte die Messe wieder in Präsenz und mit der 3G Regel stattfinden. Überschattet wurde diese aber von der Ausstellung von Rechtsextremen Verlagen und weniger Veranstaltungsprogramm.

Frankfurter Buchmesse
Frankfurter Buchmesse

Ich habe mich persönlich sehr auf die Frankfurter Buchmesse gefreut, da sie für mich im Herbst einfach dazu gehört. Ich lese für mein Leben gerne und sauge die Inhalte von Büchern auf. Als Content Creatorin habe ich Pressetickets erhalten.

Die Frankfurt Buchmesse fand in diesem Jahr vom 15.10 bis 24.10 sowohl in der Messe, an verschiedenen Standpunkten in der Frankfurter Innenstadt und digital statt. 

Anstatt der wie sonst knapp 7000 Aussteller:innen waren nur 2000 Austeller:innen anwesend. Sicherlich lag das an dem Hygienekonzept, um genug Abstand zu gewährleisten. Schade war vor allem der Aspekt, dass viele Verlage mit kleineren Ständen vertreten waren. So sind vor allem die Messestände der Verlage Spiegelburg oder z.B. Droemer-Knaur markant und auffallend – im diesem Jahr beschränkte sich dies aber auf kleinere Flächen und Basic Messe Mobiliar. Sehr schade. 

In diesem Jahr wurde auch auf die Gourmet Gallery verzichtet, was sich mir nicht entschließt. Denn zum Einen hätte durch den vielen Platz in der Halle mehr Sitzplätze zur Verfügung gestellt und mittels Anmeldeverfahren auch die Kontaktverfolgung gewährleistet werden können. Zum Anderen wäre die Messe mit der 2G Regel sicherlich auch möglich gewesen und zwar in einem Maße wie vor der Corona Pandemie.

Ja es ist toll, dass langsam wieder das „normale“ Leben einkehrt, allerdings ist eine Buchmesse auf Sparflamme eine Enttäuschung. 

Vor allem gab es kaum Infomaterial bei den Verlagen, noch Giveaways. Ja, diese sind nicht wirklich nachhaltig, auch wenn es sicherlich grüne Produkte gibt. Aber: die Verlage leben letztendlich von den Privatbesucher:innen, da diese sich für den Verlag und dann für die Bücher entscheiden. 

Verlage und Buchneuheiten

Jedoch gab es auf der Buchmesse auch jede Menge tolle Verlage mit Inhaltsrelevanten Büchern.

Meine Top 5 Buchneuheiten: 

  1. Besser fühlen / Leon Windscheid  (Rowohlt)
  2. das Patriarchat der Dinge / Rebekka Endler (Dumont)
  3. die blaue Frau / Antje Rávik Strubel (Fischer)
  4. unter dem Ahorn / Louise Penny (Kampa)
  5. der Kastanienmann / Søren Sveistrup (Goldmann)
Frankfurter Buchmesse
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Rechtsextremismus ist Meinungsfreiheit - Statement der Frankfurter Buchmesse

Wie in den vergangenen Jahren auch, sind wieder Rechtsextreme Verlage auf der Buchmesse vertreten. Ohne den medialen Shitstorm gegen die Buchmesse, hätte ich davon überhaupt nichts mitbekommen. Ich habe mir das Austeller:innenverzeichnis angeschaut, aber nur nach den Verlagen recherchiert, die mich persönlich interessieren.

Es geht vor allem um den Verlag Jungeuropa, den Philip Stein gegründet hat. Dieser verbreitet nicht nur Rechtsextremes Gedankengut, sondern spricht öffentliche Drohungen z.B. gegen die afrodeutsche Komikerin Jasmina Kuhnke aus.

Besonders brisant ist dieses Jahr, dass der Verlag sehr prominent in Halle 3.1 direkt neben die Bühne des blauen Sofas vom ZDF platziert wurde.

Die Buchmesse wiederholt ständig in ihren Statements, dass die Buchmesse ein Ort der Meinungsfreiheit ist und dass die Verlage nicht eingeladen werden, sondern Standflächen anmieten können. Jedoch verweist 4.4 in den AGB auf der Website der Buchmesse ausdrücklich daraufhin, dass ein Rechtsanspruch auf Zulassung zur Messe nicht gegeben ist. Demnach hätten die Verantwortlichen bei nur kurzer Recherche wissen können, dass es sich um Rechtsextreme Verlage handelt und durchaus diesem eine Absage erteilen können. Rechtsextremismus ist keine Meinung.

Die Geschäftsleitung der Messe Frankfurt wiederholt in ihren Statements weiterhin, dass die Buchmesse ein Ort der Meinungsfreiheit ist. Richtig ist, dass jede:r in Deutschland seine Meinung frei äußern darf und diese Meinung der Öffentlichkeit zugänglich macht. Allerdings steht im Strafgesetzbuch laut § 130 Volksverhetzung:

gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert
Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt, dass es in  Deutschland nur eine Ausnahme gibt, in der eine Meinung verboten ist und bestraft wird: die Billigung, Verherrlichung oder Rechtfertigung der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft. Hier endet die Meinungsfreiheit. Die Buchmesse bietet weiterhin und dieses Jahr auf dem Präsentierteller Rassismus und Nazis bei einer Veranstaltung mit Bildungsauftrag. Für mich ist es unbegreiflich, wie solchen Verlagen eine Bühne geboten werden können.

 

Zu Recht haben Jasmina Kuhnke, Riccardo Simonetti, Aminata Touré oder Nikeata Thompson ihre Teilnahme abgesagt. Bülent Ceylan hingegen ist gekommen und hat deutlich gemacht, dass er sich von solchen Verlagen nicht vertreiben lässt und hat sich gegen die Entscheidungen der Buchmesse gestellt. Ich kann beide Meinungen absolut nachvollziehen. Aber es kann nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland Menschen Angst haben müssen an Veranstaltungen teilzunehmen, weil sie um ihr Leben fürchten.
Frankfurter Buchmesse
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Buchpreisträger:innen & Gastland Kanada

Jedes Jahr präsentiert sich auf der Buchmesse und zu gleich, dass am letzten Augustwochenende stattfinden Frankfurt Museumsuferfest ein Gastland. Im Zuge der Corona Pandemie, wurde das im letzten Jahr auftretende Gastland dieses Jahr nochmal eingeladen – KANADA

Kanada präsentiert sich im Pavillon auf dem Messegelände. In der Hallen finden sich keinerlei Bücher, sondern digitale Installationen. Nun kann man annehmen, dass das besonders nachhaltig ist, denn für jedes gedruckte Buch werden Bäume abgeholzt. Dennoch ist mir das zu abstrakt. Ich möchte ein Buch fühlen, sehen und riechen. Dennoch begeistert Kanada mit Literatur und Fortschritt.

Bei der diesjährigen Buchpreisverleihung fällt auf, dass die Jury nur aus Weißen Menschen besteht. Wo ist die Vielfalt? Warum werden marginalisierte Gruppen wieder nicht repräsentiert?

Deutscher Buchpreis: die blaue Frau / Antje Rávik Strubel

Friedenspreis des deutschen Buchhandels:

Überleben / Tsitsi Dangarembga

 

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https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/buchmesse-rechte-verlage-mahn-feldmann-100.html

https://www.buchmesse.de



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