Fashion Revolution Week 2022 – Fair Fashion, EU Green Deal und Lieferkettengesetz

Diese Woche findet die Fair Revolution Week statt als Erinnerung an das Rana Plaza Unglück 2015. Damals stürzte eine Textilfabrik ein und begrab mehrere tausend Menschen unter sich. Warum müssen wir immer noch über die Bekleidungsindustrie sprechen? Warum ist es wichtig, jede:n für ein Umdenken zu sensibilisieren ? 

Fair Revolution Day 2022 - Umbruch einer Textilbranche

Fashion Week in Frankfurt am main

Vom 17.01 bis 21.01 fand in Frankfurt die Fashion Week 2022 statt und zwar ganz im Motto „Reform to the Future“. Eine Fashion Week wie wir sie aus Berlin gewohnt sind, können wir in Frankfurt nicht erwarten Schon allein durch die weiter andauernde Corona-Pandemie wurde die Messe auf sehr kleinen Rahmen und meist digital veranstaltet. 

 

IM FOKUS: NACHHALTIGKEIT UND UMWELTSCHUTZ IN DER TEXTILBRANCHE

 

Mit in der Innenstadt verteilten Installationen, Diskussionsrunden, Panels und digitaler Laufsteg, versuchen die Veranstalter*innen ein bisschen Fashion-Flair in die Mainmetropole zu bringen. In der nun eigentlich wirklich nicht schönen Frankfurter B-Ebene an der Hauptwache wurden an 35 Säulen 70 Fotografien zum Thema Mode ausgestellt. Sicherlich passieren den ÖPNV Knotenpunkt täglich mehrere tausend Menschen, aber wer hat Zeit, sich diese Fotografieen anzugucken und was sagen sie eigentlich aus? 

 

Die Fashion Week in den Fokus von Fair Fashion und Nachhaltigkeit zu stellen ist ein wichtiger Wegweiser für die Zukunft, doch statt preislich moderate Fair Fashion Marken sprechen und präsentieren zu lassen wurde es eher nur ein Branchentreffen. Dabei hätte die Fashion Week in Frankfurt eine Anlaufstelle werden können, dass viel mehr Menschen auf die Problematiken der Fast Fashion Industrie aufmerksam gemacht werden und Marken, besonders Start-ups die Möglichkeit bekommen mehr Reichweite und Bekanntheit zu erlangen. 

Fashion Revolution Week

Die ganze 3. April Woche steht im Zeichen von Fair Fashion und dem Aufklären der Problematik der Fast Fashion Industrie. Der eigentliche Fashion Revolution Day ist der 24.04.2022 – an diesem Tag wurde dazu aufgerufen, sein T-Shirt auf Links zu tragen, dass das Label „Made in..“ nach außen sichtbar wird. Mehr Menschen müssen endlich verstehen, dass Kleidung zu billig Preisen keine fairen Kleidung sein kann, dass alles in der gesamten Lieferkette falsch läuft. Ich liebe Mode und Kleidung, deswegen liegt mir das Thema der Bekleidungsindustrie so sehr am Herzen. Ich weiß, dass sich nicht jede:r faire Kleidung leisten kann, weil es eine Kostenfrage ist. Aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten nicht mehr bei Zara, H&M oder Primark einkaufen zu gehen. 

Kleiner Reminder: Im April 2013 stürzte in Bangladesh die Rana Plaza Fabrik ein, wodurch tausende von Menschen starben – weil nicht auf Menschen -und Arbeitsrechte geachtet wurde. In dieser Fabrik hat u.a. Kik und United Colors of Benetton produziert.

Der Großteil der Menschen interessiert sich nicht dafür, wer ihre Kleidung produziert und woher die Materialien stammen. Sie sehen nur die Präsentation im Laden und den günstigen Preis. Mit der Aktionswoche muss in erster Linie erreicht werden, dass Menschen beim Konsum von Kleidung, vor dem Kauf hinterfragen und es ihnen bewusst ist, welche Stimme sie mit der Kaufentscheidung abgeben: Gegen einen existenzsichernden Lohn, gegen die Einhaltung von Arbeitschutzrichtlingen, gegen Gleichbehandlung, gegen verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen. 

Eine Übersicht an Siegeln, welche die Helfen eine Übersicht zu erlangen, welche Kleidung Du wirklich guten Gewissens kaufen kannst findest Du hier:

  • FairWear Foundation
  • Grüner Knopf
  • GOTS
  • Fairtrade
  • Ecocert

There is no beauty in the finest cloth if it makes hunger and unhappiness

- Mahatmi Ghand

Lieferkettengesetz

Das Lieferkettengesetz wurde am 11. Juni 2021 beschlossen und betrifft erst einmal alle Unternehmen und nicht nur die Textilbranche. Ziel ist es, dass alle Menschen entlang einer Lieferkette, dass heißt vom Feld bis in den Laden mitgedacht werden und Menschenrechte eingehalten werden. Demnach muss z.B. Verantwortung übernommen werden, dass Kinderarbeit verboten ist. Damit werden viele Unternehmen in die Pflicht genommen, vor allem auch Textil-Unternehmen.Die Anforderungen an die Unternehmen sind dabei insbesondere nach dem Einflussvermögen auf den Verursacher der Menschenrechtsverletzung sowie nach den unterschiedlichen Stufen in der Lieferkette Nun ist es aber so, dass viele hier ansässige Marken nicht ihren Hauptsitz in Deutschland haben.

Das Lieferkettengesetz soll erst einmal für Unternehmen > 3000 Mitarbeiter:innen liegen, weil sie mehr Einfluss auf die Wirtschaft haben. Kleine und mittelständische Unternehmen sollen nur besonders in die Pflicht genommen werden, wenn sie in kritischen Branchen wie in der Textilbranche tätig sind. Ab 2023 gilt dann das Gesetz.  

Hard Facts:

25 Millionen Menschen weltweit verrichten Zwangsarbeit

79 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten und werden ausgebeutet

Der Lohnanteil der Näher:innen eines Tshirts liegt bei 0,06 %

der europäische Green Deal für die Textilwirtschaft

Am 30. März schlug die EU Komission im Rahmen des Green Deals eine nachhaltige Strategie bei Textilien zu verfolgen. Der Green Deal wurde 2019 beschlossen und soll Europa zum ersten klimaneutral Kontinenten machen inkl. erneuerbarer Energie und neuen Arbeitsplätzen.

Ziel: der Textil-Sektor soll qualitativ hochwertiger werden – Reparatur, Recycling sollen in den Fokus rücken und Wegwerfprodukte (Fast Fashion) soll minimiert werden.

Die Strategie sieht mehrere Maßnahmen im gesamten Produktionszyklus von Textilien vor.

  1. Es werden verpflichtende Mindestwerte für die Verwendung recycelter Fasern in Textilien festgelegt. Ziel ist es, dass die Produkte länger nutzbar sind und leichter repariert und recycelt werden können, zu dem ist es ein Umweltfaktor, weil nicht mehr neue Materialien benutzt werden
  2. Die Vernichtung von nicht verkaufter Ware und Retouren wird verboten
  3. Konsumenten:innen erhalten mehr Transparenz, ein sogenannter digitaler Produktpass soll klare und verständliche Informationen zur Kreislauffähigkeit und anderen Umweltaspekten bieten.
  4. Im Kampf gegen Mikroplastik sollen Maßnahmen zum Herstellungsverfahren, Vorwäsche in Fabriken, Produktkennzeichnung und Förderung innovativer Materialien ergriffen werden
  5. Schaffung wirtschaftlicher Anreize, nachhaltigere Produkte zu produzieren 
  6. Verbot von Greenwashing – keine schwammigen Aussagen mehr, keine freiwilligen eigene Umweltsiegel mehr
Das ist ein wichtiger Meilenstein, jedoch nimmt diese Strategie immer noch die Produktionsbedingungen in den Fokus. Es geht vor allem darum, dass Menschen im globalen Süden nicht nach westlichen Arbeitsbedingungen arbeiten. Ebenfalls werden ungleiche Marktverhältnisse nicht beachtet – große Konzerne haben mehr Einfluss auf die Wirtschaft als Start-ups und drücken damit den Preis. Es wird im Kern außen vor gelassen, dass Nachhaltigkeit mehr als nur die Materialien sind, sondern auch Werte, Handelspraktiken und Menschenrechte. 

TIPPS FÜR DEN EINSTIEG IN NACHHALTIGEN FAIR FASHION KONSUM

  1. Secondhand,
Kleidertausch mit Freunden und Familien
Kleidung mieten

     

  2. Was brauche ich wirklich?
Welche Farben stehen mir?
Habe ich etwas ähnliches bereits im Schrank?

     

  3. keine Größenauswahl bestellen
Sammelbestellungen machen 
Einzelhändler*innen suchen

Armedangels
www.armedangels.com

Jan n June 
www.jannjune.com

under protection
www.underprotection.dk

People Tree
www.peopletree.de

thinking mu
www.thinkingmu.com

dariadeh
www.dariadeh.com

colorful standard
www.colorfulstandard.com

Lanius
www.lanius.com

erlich textil
www.erlich-textil.ce

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- Mahatmi Ghand



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