ein Leben von Henne Berta in Deutschland – vom Küken zum Masthuhn

Im Gras picken mit fünf anderen Hühnern, über grüne Wiesen laufen und sich kraulen lassen, erleben nur die wenigsten Hühner. Die meisten Hühnerfilets, Fertiggerichte und das Fleisch für die etlichen Restaurants und Imbisse, welche Hühnerfleisch im Angebot haben, stammen von Hühnern, die im schlimmstenfall nie das Tageslicht gesehen haben. Hinzu kommt die enorme Ei-Produktions-Industrie – Eier werden ebenfalls für alle möglichen industriell gefertigten Produkte genutzt. Sonntags landet in vielen Familien das Sonntags-Ei auf dem Tisch – kannst Du dann es essen, wenn Du weißt dass das Huhn Qualen durchlitten hat und kein artgerechtes Leben geführt hat? Mein Traum ist es, irgendwann ein paar Hühner zu halten, welche artgerecht gehalten werden und glücklich sind. 

10 Fakten zu hühnern

1. ausgeprägtes Sozialverhalten

2. sehen Farben wie Menschen, wenn es ausreichend hell ist

3. Hennen sprechen mit Küken im Ei

4. Hühner sind dem Menschen ähnlich, denn sie träumen beim schlafen und durchlaufen ebenfalls die REM Phasen

5. Empathie für andere Hühner und insbesondere den Küken

6. Hühner kommunizieren wie Menschen. Statt mit Wörtern gibt es aber genauso viele verschiedene Laute

7. Hühner sind intelligent

8. Hühner wissen, dass sie es selbst sind. Wie der Mensch haben sie ein ausgeprägtes Ich-Bewusstsein.

9. Hühner können körperlichen und seelischen Schmerz empfinden

10. Hühner haben eine Lebenserwartung von acht Jahren

vom Küken zum Masthuhn

Vom Küken zum Masthuhn

In Deutschland leben 44 Millionen Hühner zu 90 % in Massentierhaltung. In Deutschland essen wir im Durchschnitt 235 Eier pro Jahr.

In einer artgerechten Tierhaltung lebt ein Huhn auf 10 Quadratmetern mit viel Freiland und Tageslicht. Es sollte viele Gras -und Sandflächen zur Verfügung stehen, denn Hühner lieben Sandbäder und das Scharen auf dem Boden. Sie sind neugierige, lernfähige und intelligente Vögel, die bevorzugt in kleinen Gruppen von fünf bis zwanzig Hennen und einem Hahn leben. In Freiheit verbringen sie viel Zeit mit dem Erkunden der Umgebung und dem Aufspüren ihrer vielfältigen Nahrung, die von Insekten und Würmern bis hin zu Samen oder Früchten reicht. 

Je nach Rasse legen Hühner alle 2-3 Tage ein Ei. In der Massentierhaltung legen Hühner bis zu 300 Eier im Jahr, was sie kaum länger als zwei Jahre durchhalten. Die glücklichen Hühner auf Fleisch oder Eier-Verpackungen ist nettes Marketing, hat aber mit der Realität sehr wenig zu tun.

Ökologische Landwirtschaft (Haltungsform 0)
Sechs Tiere pro Quadratmeter sind erlaubt + je vier Quadratmeter Freiland. Bei Demeter Kennzeichnung sind es 4,5 Hühner. Laut EU-Öko-Verordnung dürfen bis zu 3.000 Tiere in einem Stall gehalten werden.

Freilandhaltung (Haltungsform 1)
Neun Tiere pro Quadratmeter + je vier Quadratmeter Freiland

Bodenhaltung (Haltungsform 2)
geschlossener Stall – erlaubt sind bis zu neun Hühner pro Quadratmeter Stallfläche. Mindestens ein Drittel der Bodenfläche muss mit Streumaterial wie Stroh, Holzspänen, Sand oder Ton bedeckt sein.

Kleingruppen (Haltungsform 3)
Mindeststandard für die Hühnerhaltung, seit 2012 die herkömmliche Käfighaltung verboten wurde. Jedem Huhn stehen mindestens etwa die Fläche von eineinhalb DIN-A4-Blättern zur Verfügung. Es gibt Nester zum Ablegen der Eier, einen Einstreubereich und Sitzstangen zum Schlafen. Die Gruppengröße beträgt 20 bis 60 Hennen. Der Bundesrat hat 2015 beschlossen, die Haltung von Legehennen in Kleingruppen erst ab 2025 zu verbieten.

In Deutschland werden rund 92,5 Millionen Hühner zum Zweck der Fleischgewinnung gehalten. Für die Massentierhaltung erreichen Hühner schon nach fünf Wochen ihr Schlachtgewicht von einem Kilogramm. In einem Masthuhn-Großbetrieb können täglich mehr als 100.000 Hühner geschlachtet werden. In den einzelnen Mastställen sind Gruppen von 40.000 und mehr Tieren üblich. Bei der Kurzmast und einem Mastendgewicht von 1,5 kg müssen sich bei höchster Besatzdichte etwa 26 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen – das entspricht pro Huhn etwas weniger als einem DIN-A5-Blatt. 

 

Bereits vor der Geburt ist das Leben der Küken vorbestimmt. Männliche Küken werden direkt nach der Geburt getötet. Für die Ei-Produktion gelten sie als nutzlos, beim Grillhähnchen kann es Henne oder Hahn sein. Die 40 Millionen männlichen Küken werden jährlich lebendig zerstückelt oder vergast. Dieses Vorgehen ist auch bekannt als Kükenschreddern. Ab 2022 ist dies verboten, als Alternative gilt die Geschlechtsfrüherkennung. Dabei werden die männlichen Küken bereits im Ei identifiziert und vernichtet. Wissenschaftler*innen gehen allerdings davon aus, dass Hühnerembryonen spätestens ab dem siebten Bruttag Schmerz empfinden können. Da die bisher entwickelten Verfahren das Geschlecht erst ab dem neunten Bruttag sicher bestimmen können, ist diese Lösung ebenfalls kritisch zu bewerten. 

  1. Die Hennen brüten ihre Eier etwa drei Wochen bis zum Schlupf der Küken. Diese Turbomast hat Folgen: Kreislauf, Muskeln, Knochen und Lungen kommen bei dem rasanten Größenwachstum nicht mehr mit. Der Schutz der Mutter ist aber überlebensnotwendig. Jedoch wird das in der Massentierhaltung unterbunden, die Küken werden direkt von der Mutter getrennt und industriell großgezogen. Erst in der achten Lebenswoche trennt sich die Mutter eigentlich von den jungen Hühnern. In der Mast erreichen Hühner dieses Alter gar nicht erst, denn sie leben gerade einmal vier bis sechs Wochen.Das Sozialverhalten beginnt bei Hühnern in Freiheit schon im Ei. Bereits einige Tage vor dem Schlupf geben die Küken Laute von sich und kommunizieren mit der Außenwelt. Nach dem Schlupf leitet die Mutterhenne ihren Nachwuchs durch Futterlockrufe, Glucken, Schlafaufforderungen sowie unterschiedliche Warn- und Entwarnungsrufe.
  2. Die Bestimmung der Geschlechter erfolgt in Industriehallen am Laufband. Die weiblichen Küken werden auf Fließbändern transportiert und in Boxen sortiert, dabei wird mit ihnen umgegangen, als wäre es eine Sache aber kein lebendiges Wesen.
  3. Natürliche Verhaltensweisen wie Fortbewegung, Scharren, Gefiederputzen oder Flügelschlagen sind kaum möglich, da kaum freie Flächen vorhanden sind. Da die Hühner kaum Platz haben, um sich zu bewegen, liegen sie die meiste Zeit auf dem Stallboden. Dies begünstigt die Entstehung von Verhaltensstörungen und Erkrankungen. 
  4. Die konventionellen Masthallen sind künstlich beleuchtet – wenn überhaupt fällt nur wenig natürliches Licht in die Hallen. Im Einsatz sind vor allem Lampen mit niedriger Lichtintensität, da eine helle Beleuchtung die Aktivität der Tiere steigern und somit die Gewichtszunahme verlangsamen würde.  
  5. In der Bodenhaltung leben die Hühner in großen geschlossenen und wärmegedämmten Hallen. Ein Auslauf ist kaum vorgesehen. Die Stallfläche ist gänzlich unstrukturiert und nur von Futtertrögen und Tränkeeinrichtungen durchzogen. 
  6. Da die Hühner kaum Platz haben, um sich zu bewegen, liegen sie die meiste Zeit auf dem Stallboden. Dies begünstigt die Entstehung von Verhaltensstörungen und Erkrankungen.  Auch das andauernde Gedränge schränkt das Wohlbefinden der Tiere enorm ein: Sie stehen unter starkem Stress, da sie keine Individualabstände einhalten können und keine Möglichkeit zum Ausweichen haben. Die Belastung der Tiere wächst, da mehr Staub und Schadgase wie Ammoniak und Kohlendioxid in der Luft sind. Fast alle Masthühner leiden an schmerzhaften Fußballenerkrankungen, da sie auf dem immer feuchter werdenden Gemisch aus Exkrementen und Einstreu stehen müssen. 
  7. Am Tag des Abtransports zum Schlachthof fangen und verladen sogenannte Fängerkolonnen oder große Maschinen die Hühner. Sollte sich dabei im Stall Panik entwickeln, ersticken viele Hühner im hektischen Gedränge. Beim maschinellen Fangen werden die Tiere mit rotierenden Walzen auf ein Förderband gekehrt, das zu Transportcontainern führt. Bei schnellen Bandgeschwindigkeiten schlagen die Hühner heftig auf den Containerboden auf und verletzen sich. 
  8. Die Hühner aus den Transportbehältern werden dann schnell getötet:                                               Möglichkeit 1: Die Hühner werden an den Beinen in Metallbügel eines Förderbandes gehängt. Das Kopfüberhängen und schmerzhafte Zusammendrücken der Beine belasten die Tiere. Das Förderband fährt die Hühner mit dem Kopf durch ein Wasserbecken, das unter Strom steht. Durchströmt eine ausreichende Menge Strom das Gehirn, betäubt ein Epilepsie-ähnlicher Anfall die Tiere. Das Schlachtband transportiert sie weiter zum Halsschnittautomaten.                                                                                                             Möglichkeit 2:  Die Tiere werden in einem Tunnel vergast. Sind zu viele Tiere gleichzeitig im Gastunnel, sind die Tiere vor dem Ausbluten womöglich nicht ausreichend betäubt. In diesem Fall zeigen sie während des Ausblutens bewusste Abwehrbewegungen wie Flügelschlagen, Lautäußerungen oder rhythmische Atembewegungen. Danach hängt das Personal die Tiere kopfüber in das Schlachtband, das sie zum Halsschnittautomaten befördert. Nach dem Ausbluten fahren die Körper in ein Brühbad. Das heiße Wasser erleichtert das mechanische Rupfen der Federn. 
  9. Und nun ist das Huhn ready um als Discount Fleisch im Supermarkt zu landen. 
vom Küken zum Masthuhn

Umweltproblematiken

Für den Begriff Massentierhaltung gibt es keine allgemeingültige Definition. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) spricht definiert es so“Wenn Nutztiere gleicher Art und Altersgruppe in großen Beständen auf begrenztem Raum gehalten werden und ein geringstmöglicher Einsatz von Arbeitskräften zur Versorgung und Fütterung angestrebt wird“

Bei der Tierhaltung fallen große Mengen an Gülle auf relativ kleiner Fläche an. Landet zu viel davon auf den landwirtschaftlichen Flächen, können Boden und Pflanzen den Dünger nicht mehr aufnehmen. Er sickert ins Grundwasser,  zu deutlich erhöhten Nitratkonzentrationen im Grundwasser führt – die dann wiederum in unserem Trinkwasser landen. Wird Nitrat im Organismus zu Nitrit umgewandelt, kann das vor allem bei Säuglingen die Sauerstoffversorgung über das Blut einschränken.

Aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung stammt ein beträchtlicher Teil der schädlichen Klimagase, die in Deutschland ausgestoßen werden. Dafür verantwortlich sind vor allem Lachgasemissionen aus der Überdüngung der Böden und Methanemissionen aus der Tierhaltung und Güllelagerung.

Bis zu 39.500 Hühner in einem Stall werden in nur sechs Wochen schlachtreif. Das hält die Verbraucher*innenpreise niedrig. Deutsche bevorzugen Hühnerbrüste. Europa importiert jedes vierte Brustfilet aus dem nicht-europäischen Ausland oft als gefrorenes Fertigprodukt, zum Beispiel aus der Ukraine, Brasilien oder Thailand. Und exportiert Schenke und andere Teile vor allem nach Afrika.  Viele afrikanische Produzenten*innen nimmt dies die Möglichkeit zu wachsen oder gar weiter zu bestehen. 

Was Du tun kannst

Initiative Bruderküken

Ein Ei aus dieser Initiative kostet vier Cent mehr als ein herkömmliches Ei. Mit diesem Geld können die Bauern nicht nur die weiblichen, sondern auch ihre Brüder, die männlichen Küken aufziehen, anstatt sie kurz nach dem Schlüpfen zu töten. Als Legehennen sind sie nutzlos, weil sie keine Eier legen. Allein in Deutschland sind das jedes Jahr 40 Millionen Tiere

Bio Eier kaufen

Haltungsklasse 0 oder Demeter Kennzeichnung, am besten aber vom regionalen Markt oder Bauernhof, wo Du siehst, wie die Hühner leben

Öfters mal vegan essen

Achte darauf, ob in verarbeiteten Lebensmittel Ei enthalten ist, oder ersetze beim backen z.B. Ei durch Apfelmus, Banane oder Quark.

 

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Quellen

Peta
Statista
https://praxistipps.focus.de/artgerechte-huehnerhaltung-das-muessen-sie-wissen_103734
https://praxistipps.focus.de/wie-oft-legen-huehner-eier-so-schnell-geht-es_97802
https://www.planet-wissen.de/natur/haustiere/huehner/huehnerwirtschaft-100.html
https:/ /albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/masthuehner
https://www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft/massentierhaltung
https://www.deutschlandistvegan.de/massentierhaltung/#eiproduktion
https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/legehennen
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/massentierhaltung-masthuhn-tierwohl-preis-100.html



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